14.07.2016

Ahmad Aladdin Abushakeema

Der 28-Jährige arbeitet als freiberuflicher Fotograf und studiert gleichzeitig Maschinenbau an der Academy of Engineering Sciences, einer Privatuniversität in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Nachdem er 18 Jahre lang in Saudi-Arabien lebte, kehrte er nach Khartum zurück. Neben seiner Serie 1000 Portraits From Sudan arbeitet er momentan an einem weiteren Street-Fotografie-Projekt namens Memory of the City (ذاكرة المدينة). Mehr Informationen über ihn und seine Bilder gibt es auf seiner Website sowie auf Twitter.

JournAfrica!: Ahmad, wann und wie ist die Idee zum Projekt 1.000 Portraits From Sudan entstanden?

Ahmad Abushakeema: Eines Tages bemerkte ich, welche wundervolle und auch schöne Vielfalt wir hier im Sudan haben. Und dass es Zeit sei, der Welt davon zu berichten. Als professioneller Fotograf war die Wahl für das richtige Medium dann nicht mehr schwer.

Hauptziel deiner Bilderserie ist es, die Vielschichtigkeit der sudanesischen Bevölkerung und der Religionen sowie die kulturelle Hintergründe zu zeigen. Bis auf das Foto selbst erfährt der Betrachter jedoch nichts über die Porträtierten. Würden zusätzliche Informationen nicht helfen, die unterschiedlichen Geschichte der Menschen deutlicher zu machen?

In meinen Augen erzählen die Gesichter, die Kleidung und die jeweilige Location bereits genug über die Vielfalt hierzulande. Deine Erlebnisse, dein Name oder deine Nationalität spielen dafür keine Rolle, solange du Teil des Landes und seiner Gesellschaft bist.

1000 Portraits from Sudan #1
1000 Portraits from Sudan #1

Was bedeutet diese Vielfalt deiner Ansicht nach für den Sudan?

Bei uns hat sich nie eine klassische Dokumentationskultur entwickelt. Zudem gab es permanent Probleme und Missverständnisse, wenn es um die Eigenheiten der unterschiedlichen Bevölkerungsstämme geht. Diese tragen auch sehr zu den kulturellen Konflikten im Land bei. Durch mein Projekt möchte ich eine Grundlage für eine solche Dokumentationskultur legen. Diese muss natürlich nicht auf die Fotografie als Kunstform beschränkt bleiben. Hauptsächlich geht es mir um einen positiven kulturellen Austausch sowie ein besseres Verständnis der Menschen untereinander - Eigenschaften, die im Sudan dringend benötigt werden.

Wie siehst du persönlich die Außenwahrnehmung des Sudan?

Kaum jemand außerhalb unseres Landes weiß unsere kulturelle und künstlerische Vielfalt zu schätzen. Stattdessen geht es meist um Krieg und Krisen. Leider ist auch das Teil des Sudan, doch hier gibt es noch so viel mehr.

1000 Portraits from Sudan #18
1000 Portraits from Sudan #18

Wie und wo findest du die Leute, die du fotografierst?

Manche treffe ich zufällig in und um meine Heimatstadt Khartum. Die spreche ich dann an und frage sie, ob sie mitmachen möchten. Mittlerweile kommen einige Menschen aber auch gezielt auf mich zu. Sie haben über meine Website oder die Sozialen Medien von dem Projekt erfahren und wollen daran teilnehmen.

Ein Blick auf die bislang veröffentlichten Bilder suggeriert, dass du häufiger Männer als Frauen porträtierst…

Wenn dem tatsächlich so ist, geschah das völlig unabsichtlich. Bis zum 1.000 Foto bleibt ja noch eine Menge Zeit und ich werde versuchen, beide Geschlechter in etwa gleich oft zu fotografieren. Andererseits kann das auch an der sudanesischen Kultur liegen, also daran, dass Frauen einfach seltener auf der Straße sind als Männer.

Wie viele Bilder hast du für das Projekt inzwischen aufgenommen?

Derzeit sind 173 Fotos veröffentlicht, doch ich habe bereits viele mehr gemacht, die noch nicht auf die Website geladen sind.

1000 Portraits from Sudan #27
1000 Portraits from Sudan #27

Wann hast du die Fotografie für dich entdeckt?

Das muss vor ungefähr drei Jahren gewesen sein, als ich einige beeindruckende Porträts und auch Fotos von Kirchen gesehen habe. Daraufhin beschloss ich, eine meiner Lieblingskirchen in Khartum zu fotografieren. Seitdem kann ich nicht aufhören, Menschen und Ort auf Bildern festzuhalten.

Gibt es afrikanische Fotografen, deren Arbeit du bewunderst?

Einer von ihnen ist der inzwischen verstorbene malische Fotograf Seydou Keita (1921 – 2001). Wie er die malische Bevölkerung seinerzeit künstlerisch porträtiert hat, beeindruckt mich sehr.

Lässt du dich auch von internationalen Künstlern inspirieren?

Die Arbeiten des französischen Street-Fotografen Paul Almásy gehören definitiv dazu.

1000 Portraits from Sudan #110
1000 Portraits from Sudan #110

Was macht für dich ein gutes Porträtfoto aus?

Es sollte ein Bild sein, das auch völlig ohne zusätzliche Informationen eine Geschichte erzählt. Es muss für sich stehen können. Das gelingt einzig und allein über die Atmosphäre und nicht über ein technisch einwandfreies Foto.

Ahmad Abushakeema
Ahmad Abushakeema

 Warum soll dein fotografischer Querschnitt der sudanesischen Bevölkerung gerade 1.000 Porträts umfassen?

 

So kann ich sichergehen, wirklich kein Detail der Menschen hierzulande zu verpassen.

Wann wirst du damit fertig sein?

Ich versuche, das Projekt nächstes Jahr im April abzuschließen.

1000 Portraits from Sudan #144
1000 Portraits from Sudan #144

Weißt du schon, wer auf dem letzten Bild zu sehen sein wird?

Natürlich! Es wird ein Porträt meiner Mutter sein.

 

Das Gespräch führte Florian Sturm.