09.02.2015
Übersetzt von Lucia Monti

Hiermit beenden wir die Trauerfeier unseres jungen Bruders, geliebten Freundes und Sohnes. Möge seine Seele in Frieden ruhen.

In Butembo, einem Städtchen 300km nördlich von Goma, hat sich eine Trauergemeinde zur Beisetzung eines Unternehmers versammelt. Die Schlussworte des Priesters lösen keinerlei Erstaunen aus. „Früher gab es zwei Feierlichkeiten: Die Totenmesse, bei der dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen wird, und eine Zeremonie, die das Ende der Trauer symbolisiert. Diese beiden wurden jetzt zusammengelegt“, erklärt Pater Victor Ndakasi, der die Beisetzung leitet. In den Städten und Dörfern der Umgebung sei das mittlerweile gang und gäbe.

Früher war das anders: Die Zeremonien erstreckten sich über mehrere Tage, manchmal sogar über zwei oder drei Wochen. Die finanzielle Belastung für die betroffenen Familien war enorm: Denn die Trauergäste mussten über den gesamten Zeitraum hinweg versorgt werden. Hinzu kamen der Sarg, die Bestatter, die Trauerkleidung – ein kostspieliges Unterfangen. "Über 2000 Dollar für eine Beerdigung auszugeben war normal", erklärt Kakule Kiripi, Leiter des örtlichen Bestattungsbüros der Caritas.

 

 

Menschen verabschieden sich am Sarg von einem Verstorbenen
Menschen verabschieden sich am Sarg von einem Verstorbenen.

Der veränderte Umgang mit der Trauer wird nun allseits begrüßt, vor allem wegen der niedrigeren Kosten. „Man fühlt sich erleichtert, denn nach einigen Stunden ist man wieder frei und kann seiner Arbeit nachgehen“, erklärt Pater Victor Ndakasi, ein anderer Geistlicher aus Butembo. Die Verkürzung der Zeremonien steht zudem im Einklang mit dem kongolesischen Arbeitsrecht. Vielen Angestellten bleibt so der Ärger mit ihren Vorgesetzten erspart. "Es ist nicht einfach, sich eine Woche lang der Trauer zu widmen", meint Patrick Saasita, Rezeptionist im Hotel Paradise. Auch Miriam Mupira, Angestellte einer lokalen Nichtregierungsorganisation, sieht das ähnlich: "Der Vorgesetzte kann einem zwei bis drei Tage gewähren, aber nur bei einem Trauerfall im engsten Familienkreis. Bei Freunden oder Bekannten kann man zwar an der Beisetzung teilnehmen, muss aber am Nachmittag wieder den Dienst aufnehmen."

Allen praktischen Vorteilen zum Trotz gibt es auch ablehnende Stimmen. „Es ist als wären wir nicht imstande, unsere Tochter so beizusetzen, wie es unsere Kultur vorsieht“, erzählt ein trauriger Vater, der im November seine Tochter verloren hat. „Für uns ist es die einzige Möglichkeit, ihr die letzte Ehre zu erweisen und unsere Liebe zu zeigen.“ Experten hingegen halten sich mit ihrer Kritik weitestgehend zurück. "Die Trauer war Angelegenheit des Clans. Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn und all jene, die mit dem Verstorbenen verbunden waren, mussten viel Zeit und finanzielle Mittel investieren", so der Historiker Raphaël Kambalume. „Wer sich nicht schlau angestellte, wurde in den Ruin getrieben. Das hat nun ein Ende.“