09.06.2016

Über die Autorin

Amma Darko schreibt über interkulturelle Begegnungen. Ihr neues Buch Between Two Worlds basiert auf der wahren Geschichte eines jungen Mannes aus Ghana, der in den 1960er Jahren nach Deutschland kam und sich in eine deutsche Studentin verliebte. Ihre persönlichen Erlebnisse in beiden Ländern ermöglichen es der Autorin, ein einfühlsames Bild von den Hindernissen zu zeichnen, die das junge Paar während ihres Lebens durchleben. 

Die Erlebnisse, sich in einer fremden Kultur zurechtfinden zu müssen, sind bis heute Inspiration für Amma Darkos Werke. Ihr neuestes Buch spiegelt auch ein Stück weit Ihre eigene Lebensgeschichte wider. Between Two World basiert auf der wahren Geschichte eines jungen Mannes aus Ghana, der in den 1960er Jahren nach Deutschland kam und sich in eine deutsche Studentin verliebte. Im Interview mit JournAfrica! beschreibt Sie, wie sich ihre Wahrnehmung von Deutschland in den letzten Jahren verändert hat und was das mit dem wachsenden Interesse an afrikanischer Literatur zu tun hat.

 

JournAfrica!: Sie kamen in den 80er Jahren als politischer Flüchtling nach Deutschland und sind seitdem viele Male zurückgekehrt. Haben sich die Dinge in Deutschland verändert?

Amma Darko: Die Dinge haben sich sehr verändert, seitdem ich das erste Mal nach Deutschland kam. Ich möchte Ihnen von einem Erlebnis erzählen, das ich gestern hatte und die heutige Situation gut darstellt: Als ich in den 1980er Jahren nach Deutschland kam, gab es nicht viele Afrikaner hier. Wer einen anderen Afrikaner auf der Straße sah, blieb stehen und unterhielt sich mit ihm. Man lief nicht einfach weiter. Das hat sich stark verändert. Gestern lief ich durch die Straßen Berlins und sah eine junge Afrikanerin auf der anderen Straßenseite. sie lief an mir vorbei ohne eine Reaktion zu zeigen. Ich war schockiert, aber ich denke, es ist normal geworden, eine andere schwarze Person zu sehen."

Wie haben sich die Vorstellungen von Deutschland in Ghana verändert?

Als ich nach Deutschland ging, glaubten die Menschen zu Hause, es gäbe keine Armut in Deutschlang. In ihrer Vorstellung waren die deutschen Straßen mit Gold gepflastert. Diese Ansicht gibt es auch heutzutage noch an einigen Orten. Das sehen wir auch daran, dass immer noch viele Menschen nach Europa und speziell nach Deutschland fliehen auf der Suche nach einem guten Leben. Die Menschen sind davon überzeugt, dass dort ein Job, ein Auto und eine Wohnung auf sie warten. Man kann es ihnen nicht verübeln, es ist das Bild, das ihnen von Europa gezeigt wird. Es sind einfach Fehlinformationen. Genau wie in Europa nur schlechte Dinge über Afrika gezeigt werden, werden in Afrika nur gute Dinge über Europa gezeigt. Wie sagt man so schön: Keine Nachrichten sind gute Nachrichten, schlechte Nachrichten sind Nachrichten“

Sie sprachen zuvor von einer Veränderung hin zu einer größeren Vielfalt in der deutschen Gesellschaft und mehr Offenheit gegenüber Menschen aus Afrika. Spiegeln sich diese Veränderungen auch in einem größeren Interesse an der afrikanischen Literatur wider?

Ja, doch ich glaube, die Veränderungen sind zweierlei: Auf der einen Seite gibt es eine breitere Leserschaft in Deutschland, die man durchaus auf die größere Offenheit gegenüber Menschen aus Afrika zurückzuführen ist. Auf der anderen Seite gibt es eine größere Anzahl an afrikanischen Autoren, was selbstverständlich zu einer größeren Vielfalt an Erzählungen führt und dadurch ein breiteres Publikum anzieht.

Der Begriff afrikanische Literatur wird von einigen Autoren heftig umstritten. Ist es möglich, über afrikanische Literatur zu sprechen?

Ich ziehe den Begriff Literatur aus Afrika vor, weil es den Erzählungen eine bestimmte Identität verschafft. Ich denke nicht, dass der Begriff afrikanische Literatur bevormundend oder ignorant ist. Es gibt schließlich amerikanische Literatur oder asiatische Literatur. Das einzige, das am Ende zählt, sind die Geschichten.

Neben dem Schreiben arbeiteten Sie auch als Steuerfahnderin in Ghana. Inwieweit wird das Schreiben in Ghana als vorwertige Beschäftigung anerkannt?

Das Konzept, eine Schriftstellerin zu sein, ist auch heute noch für viele Menschen verwirrend. Ihre Tätigkeit wird häufig nicht als vorwertige Beschäftigung anerkannt. Wenn ich arbeite und mir in meinem Kopf eine Szene zurechtlege, sitze ich augenscheinlich nur herum und tue nichts. Ich arbeite mit meinem Verstand, nicht mit meinen Händen, das ist etwas, was viele Menschen nicht verstehen.

Wie wirksam sind Geschichten, um Veränderungen in einer Gesellschaft voranzubringen?

Mit Geschichten ist es möglich, Missstände in der Gesellschaft indirekt zu kritisieren. Als Schriftsteller hat man sicherlich gewisse Freiheiten. Die Geschichten, die wir erzählen, sind eine Plattform, Kritik an der Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen.

Ihr neues Buch Between Two Worlds basiert auf einer wahren Begebenheit. Worum geht es in dem Werk?

Um diese Frage zu beantworten, muss ich Ihnen die Geschichte hinter der Geschichte erzählen: Vor einigen Jahren gab ich einer deutschen Zeitung ein Interview, in dem ich über meine vorhergehenden Werke sprach, in denen ich mich mit interkulturellen Beziehungen befasste. Einige Zeit nach dem Interview bekam ich einen Brief von einer Dame, die mir ihre Lebensgeschichte erzählte. Sie hatte sich Anfang der 1960er Jahre in einen jungen Mann aus Ghana verliebt, der zum Studium nach Deutschland kam. Die beiden heiraten und gingen nach Ghana, um dort eine Familie zu gründen. Keine einfache Entscheidung für eine junge Frau in Deutschland während der Nachkriegszeit. Die interkulturellen Herausforderungen, die sie mir in ihren Briefen beschrieb, waren die Inspiration für einen fiktiven Roman, der sich an den Ereignissen dieser Lebensgeschichte orientiert.

 

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Afrika Stiftung.