29.02.2016
Übersetzt von Uta Stareprawo

Der Nigerianer Pius Adesanmi ist Professor für Englisch und African Studies an der Carleton Univeristy, Ottawa in Kanada. Adesanmi ist gegenwärtig einer der gefragtesten Intellektuellen Nigerias. Seine Bücher "You´re not a country Africa" und "The Wayfarer and other Poems" sind preisgekrönt. Hier ein Link zu seinem TEDx Talk 2015 "Africa is the forward the world needs to face."

Als die arabische Welt die westliche Nabelschau, den Betroffenheitsjournalismus und all die einseitigen Berichte satt hatte, reagierte sie energisch und schuf eine globale Marke. Sie ist in der Lage Gegenberichte zu präsentieren. Diese Marke heißt Al Jazeera. Die Kraft und das Geld, die in sie investiert wurden, veranlassten manchen einflussreichen westlichen Journalisten, still und leise von Washington oder London nach Doha zu ziehen.

Die Russen hatten genug und antworteten mit RT. Der Sender macht sich nicht schlecht. Manchmal schalte ich zu RT um, um mich vom westlichen Tunnelblick zu lösen. Wenn mir die westliche Jammerei über den Oberbefehlshaber Europas Wladimir Putin bei CNN, BBC oder TV5 zu viel wird, schalte ich gewöhnlich um zu RT, um mir die andere Seite der Geschichte anzuhören. RT berichtet über Russland. Mit Nachdruck. Und global.

Die Chinesen? Die zeigen deutlich, dass sie es ernst damit meinen, es ganz sicher nicht dem Westen zu überlassen, dem Rest der Welt ihre Geschichte zu erzählen. Eine kleine Anekdote, die der bekannte nigerianische Dramatiker Professor Femi Osofisan mir erzählte, veranschaulicht das ganz gut: Prof. Osofisan war auf Auslandsreise und hatte zuvor seine Rechnung für das Kabelfernsehen nicht bezahlt. Als er nach Nigeria zurückkam, stellte er überrascht fest, dass sein Kabelfernsehen abgeschaltet war. Das chinesische CCTV funktionierte hingegen noch immer. Auf Nachfrage erfuhr er, dass die Chinesen ihr eigenes globales Kabelnetzwerk in Afrika subventionieren.

Ich habe das später überprüft und kann es bestätigen: Wenn die Südafrikaner einem den Kabelanschluss abschalten, stellt China sicher, dass man weiterhin kostenlos CCTV empfängt und die Welt aus dem Blickwinkel von China sieht. China in Afrika – diese Geschichte lassen sie ganz sicher nicht exklusiv von Barack Obama und David Cameron erzählen.

Selbst Iran überlässt seine Geschichte nicht Al Jazeera. Press TV ist eine starke Marke.

Und dann ist da ein ganzer Kontinent, der immer noch keine wirklich globale Fernsehmarke hat, die seine Geschichte erzählt und mit den Besten auf dem globalen Markt der Berichterstattung mithalten kann. Die Bürger seiner stärksten Volkswirtschaft, Nigeria, jammern ständig darüber, dass ein gewisser Mark Zuckerberg seine humanitäre Pflicht, ihre Geschichte zu erzählen, nicht erfüllen würde! In Nigeria wirft man Mark Zuckerberg stets vor, mehr Mitgefühl für westliche als für nigerianische Tragödien zu zeigen. Es heißt, er habe um die Opfer der Pariser Terroranschläge viel mehr getrauert als um die Opfer von Boko Haram in Nigeria. Wenn ich durch Afrika reise, ist es überall dieselbe Geschichte: endlose Beschwerden, dass die westlichen Medien unsere Geschichten nicht erzählen.

Ich sage dazu:

Afrika, was ist das für ein Unsinn? Was glaubst du, wer dir etwas schuldet? Hör auf, vor dem Westen zu katzbuckeln und darum zu betteln, dass deine Geschichte erzählt wird! Weißt du denn nicht, dass die Geschichte dem gehört, der sie erzählt?

In keinem Land des riesigen afrikanischen Kontinents gibt es eine wirklich globale Medienmarke, die die Geschichten des Kontinents verbreiten und in die Welt tragen könnte, nur eine mittelmäßige Marke nach der anderen.

Das südafrikanische Fernsehen hat nicht das Zeug dazu, der Welt einen Kontinent zu präsentieren. Die Wahnvorstellung, dass sie mit ihrem „DSTV“ den Fernsehmarkt des Kontinents kontrollierten und dass sie als „Teil des zivilisierten Westens nicht wie der Rest von Afrika“ seien, macht unsere Brüder dort im Süden oft blind für ihre unfreiwillig komische Situation als gettoisierte Lokalchampions des Kontinents. Ihnen ist nicht bewusst, dass das südafrikanische Fernsehen nicht wirklich eine globale Marke ist.

Von Nigerias NTA International reden wir besser gar nicht. Ein lahmes Programm, moderiert von Sprechern mit einem unerträglichen, vor Ort erlernten britischen Akzent.

Ich hatte diesen antrainierten britischen Akzent für eine Unsitte des nigerianischen Fernsehens gehalten, bis ich zum ersten Mal kenianisches Fernsehen sah. Wie alle anderen in Afrika glauben auch die Kenianer offenbar, dass sie alles, was Nigeria schlecht vormacht, ganz im Geiste des afrikanischen Wettbewerbs und der gegenseitigen Missgunst noch schlechter nachmachen müssen. Was im kenianischen TV als britischer Akzent durchgeht, klingt wie eine Mischung aus Suaheli, Englisch und Italienisch, zusammengewürfelt von einem Produzenten, der gerade eine schmutzige Scheidung durchmacht.

Und das französischsprachige Afrika? Frag nicht. Vergiss es einfach. Dort versucht man gar nicht erst, die Nabelschnur zu Frankreich zu durchtrennen. Sie lassen ihre Geschichte immer noch von Frankeich erzählen. Sie haben keine eigene Stimme und keine Vertretung. Während wir darüber sprechen, wer Afrikas Geschichte vertritt, braucht das frankophone Afrika die Erlaubnis aus Paris, um überhaupt mitreden zu dürfen.

Kurz: Wenn ein Kontinent keine Notwendigkeit sieht, seine kritische Intelligenz, sein Genie und seine Innovationsfähigkeit dafür einzusetzen, eine globale und konkurrenzfähige Marke zu etablieren, soll er mir nicht den Schlaf mit seinem Gejammer rauben, wessen Geschichte ein Mark Zuckerberg erzählt. Erwartest du etwa, dass Herr Zuckerberg deine afrikanische Geschichte hochhält und seine eigenen westlichen Geschichten links liegen lässt?

Afrika, du hast das nötige Genie, die Mittel und die Menschen! Mach dich an die Arbeit und bau wenigstens eine globale Marke auf, die Deine beachtenswerten Geschichten erzählt!