19.07.2016

Burkina Faso und die USA

Während der 27-jährigen Herrschaft Blaise Compaorés waren die Beziehungen zwischen den USA und Burkina Faso immer wieder Spannungen ausgesetzt. Die USA warfen dem burkinischen Präsidenten unter anderem Waffenschmuggel vor und kritisierten seine Versuche, mittels einer Verfassungsänderung im Amt zu bleiben. Seit dem Sturz Compaorés im Oktober 2014 haben sich die Beziehungen zwischen Washington und Ouagadougou daher deutlich verbessert. So wurde der Interimspremier Isaac Zida, der einen Teil seiner Ausbildung in den USA absolviert hat, schon sehr früh nach seiner Machtübernahme von den USA unterstützt – auch als die frühere Präsidentengarde RSP im September 2015 gegen ihn putschte.

Über Gaston Sawadogo

Gaston Sawadogo kommt aus der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou. Er hat dort Journalismus studiert und arbeitet seit 2013 bei dem zweiwöchentlich erscheinenden Magazin L’Evénement. Zuvor war er Chefredakteur des Onlinenachrichtenportals burkinaactualités.net.

Die Beziehungen zwischen Ouagadougou und Washington sind derzeit ausgesprochen gut. Das westafrikanische Burkina Faso gehört zur strategischen Achse, auf der die US-amerikanische Armee – ebenso wie Frankreich – Stützpunkte unterhält. Diese Achse erstreckt sich vom Golf von Guinea bis zum Golf von Aden, vom Westen Afrikas nach Osten. Über die Stärke der amerikanischen Einheiten, die auf burkinischem Boden stationiert sind, weiß man in Burkina Faso nicht viel, denn weder die amerikanischen noch burkinischen Behörden kommunizieren gern über dieses sensible Thema. Das westafrikanische Land wird als strategischer Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terrorismus im Sahel angesehen – so viel ist bekannt. Von Seiten der US-Botschaft wird verlautet, dass die Zusammenarbeit zum Ziel hat, „die regionale Sicherheit zu verbessern“.

Ein Sieg Trumps könnte die guten Beziehungen gefährden

Welche Zukunft hätte die amerikanisch-burkinische Zusammenarbeit unter Donald Trump, dessen politischer Diskurs als rassistisch und migrationsfeindlich eingeschätzt wird, der laut Meinungsumfragen aber dennoch Kopf an Kopf mit Hillary Clinton liegt? Wird er auf dem Teppich bleiben, sollte er gewählt werden? Über diese Fragen gehen die Meinungen der Burkinabè auseinander.

Die USA sind seit 2004 wieder verstärkt in der Entwicklungszusammenarbeit in Burkina aktiv: Die staatliche Entwicklungsagentur USAID finanzierte Projekte im Gesundheitssektor, der Landwirtschaft und dem Bildungsbereich. Das Budget: 15 Millionen US-Dollar pro Jahr.

Darüber hinaus unterstützt das US- Militär die burkinische Armee seit 2010 mit Schulungen und Ausrüstung im Kampf gegen den Terrorismus. Eine geheime Militärbasis soll 2007 in Ouagadougou errichtet worden sein, von dort starten seitdem Anti-Terror-Aktionen in Richtung Nordmali, Mauretanien und in die Sahara. Dort haben bewaffnete Gruppierungen wie Al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQMI), Ansar Dine und die Nationale Bewegung zur Befreiung des Azawad (MNLA) ihre Basis.

Zudem laufen zahlreiche militärische Kooperationsprogramme, wie das African contingency operations, training and assistance program (ACOTA) und das Military and education training program (IMET), in weiteren afrikanischen Ländern.

Die Illusion, dass Burkina Faso vor dem Terrorismus sicher sei, ist spätestens am 15. Januar 2016 buchstäblich in Luft aufgegangen, als ein Anschlag auf das Splendid Hotel und das Café Cappuccino in der Hauptstadt 30 Menschenleben und Dutzende Verletzte forderte. Dem waren im vergangenen Jahr bereits kleinere Zwischenfälle vorausgegangen: Im April 2015 wurde ein eine rumänischer Sicherheitsbeamter der Manganmine in Tambao im Norden Burkinas entführt. Im August fand ein Angriff auf die Gendarmerie in Oursi an der Grenze zu Mali und Niger statt, im Oktober 2015 folgte ein weiterer Anschlag auf die Gendarmerie im ostburkinischen Samorogouan, bei dem fünf Menschen starben. Seit diesen Geschehnissen ist das Sicherheitsbedürfnis der Burkinabè deutlich gestiegen – ein Bedürfnis, dem die burkinische Armee auf sich allein gestellt allerdings nicht gerecht werden kann.

Trump & Burkina Faso
 

Daher fürchten manche Bürger ein Abreißen der militärischen und finanziellen Unterstützung aus Washington, sollte Trump ins Weiße Haus einziehen. Auch argwöhnt man in Burkina Faso, dass Trumps einwanderungsfeindliche Politik den 200 bis 300 jungen Burkinabè, die jedes Jahr ein Visum für die USA erhalten, die Tür vor der Nase zuschlagen könnte.

Anderen hingegen ist es gleichgültig, wer auf Obama folgt. Sie sehen Trump als perfekten Klon der weißen amerikanischen Gesellschaft, als Sprecher eines wiedererstarkenden „echten Amerikas“ des übersteigerten Nationalstolzes und des radikalen Diskurses, als einen, der mit dem Konformismus, der Reue und dem Kompromiss bricht. In den Augen dieser Burkinabè werden schließlich realpolitische Überlegungen Trump dazu zwingen, seine Positionen zu überdenken, wenn er denn gewählt wird. Für diesen Teil der burkinischen Bevölkerung ist klar: Die USA können weder den Krieg gegen den Terrorismus ohne Afrika gewinnen noch ihre Grenzen dauerhaft verschließen.