18.07.2016
Übersetzt von Florian Sturm

Ghana und die USA

Die Beziehungen zwischen Ghana und den USA sind seit jeher besonderer Art. Der erste Präsident Ghanas Kwame Kkrumah wurde von den USA wegen seiner sozialistischen Prägung als „der gefährlichste Präsident im unabhängigen Afrika“ bezeichnet. Lange hielten sich daher die Gerüchte, Kkrumahs Abgang 1966 ginge auf einen Putsch des CIA zurück.

Über die Jahre hat sich die Beziehung zwischen Ghana und den USA entspannt. Die Zusammenarbeit ist in erster Linie wirtschaftlicher Natur. Zahlreiche US-Firmen  (u.a. IBM, General Electric) sind heute mit großen Niederlassungen in ACCRA vertreten, die wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder wächst kontinuierlich. 

 

Über Femi Akomolafe

Der Ghanaer Femi Akomolafe bezeichnet sich mit seiner großen Leidenschaft für den afrikanischen Kontinent als Pan-Afrikanist. Derzeit arbeitet er als Journalist und Kolumnist beim New African Magazin. Zudem ist Femi Autor zahlreicher Büchern (u. a. Africa: Destroyed by the Gods and Africa: It shall be well) und produziert Videos und TV-Beiträge, unter anderem für Focus on Africans. Seine Zeit verbringt er in Afrika und Europa.

Während Experten rund um den Globus rauf- und runterdeklinieren, was eine Trump- oder Clinton-Präsidentschaft für den Rest der Welt bedeuten würde, machen sich natürlich auch afrikanische Analysten Gedanken. Der ein oder andere wird sagen, dies sei reine Zeitverschwendung. Schließlich besteht die Hauptaufgabe jedes US-Präsidenten – egal welchem politischen Lager er angehört und wie polemisch sein Parteiprogramm scheint – im Schutz und der Ausweitung des „American Empire”.

Doch spätestens seit US-Präsident Barack Obama ist die US-Wahl auch in Afrika ein heiß diskutiertes Thema.

Bei seiner Wahl zum US-Oberhaupt Ende 2008 wurde Obama von vielen Afrikanern als „Bruder“ adoptiert, ein Mann aus den eigenen Reihen. Mit seinem charmanten Lächeln und den richtigen Worten verzückte er die Menschen von Accra bis Kairo und ließ unsere Politiker aussehen wie dumme Schuljungen auf dem Klassenfoto. Obama wird hierzulande vor allem für drei Aspekte seiner Regentschaft in Erinnerung bleiben: Er weitete die Präsenz der amerikanischen Streitkräfte in Afrika weiter aus (Stichwort: Africom), er ließ mit Muammar al-Gaddafi ein afrikanisches Staatsoberhaupt töten und er zerstörte mit Libyen das am weitesten entwickelte Land unseres Kontinents. Noch heute schickt der „Bruder“ aus Washington seine Truppen nach Libyen. Angeblich zur Terrorbekämpfung.

Trump oder Clinton? Ganz egal. Afrikas Entscheider müssen endlich aufwachen!

Nun wird der Kampf ums Weiße Haus von zwei völlig konträren und in ihrer eigenen Weise unangenehmen Personen geführt: Donald Trump gibt sich von vorn bis hinten wie ein ungehobelter Witzbold, der keinen wirklich ernstzunehmenden Satz herausbringt; Clinton ist bereits eine international respektierte Frau, der jedoch eine gefährliche Nähe zu den Bossen in der Finanz-, Waffen und Rüstungsindustrie nachgesagt wird.

Schon die Tatsache, dass ein dermaßen ungebildeter, ignoranter und radikaler Politiker wie Donald Trump für die Präsidentschaft des wohl wichtigsten Landes der Welt kandidieren darf, zeigt, dass die amerikanische Politik ziemlich in Schieflage geraten ist. Doch das ist ein anderer Punkt.

Während die Wundertüte Trump selbst die findigsten Politikexperten regelmäßig zur Verzweiflung bringt, ist die Lage bei der ehemaligen US-Außenministerin Hillary Clinton eine völlig andere. Für sie ist Afrika kein Neuland mehr. 2009 begleitete sie Präsident Obama auf seiner (medial völlig überhöhten) Ghana-Reise. Im Anschluss besuchte sie – ohne ihren Chef – sieben weitere Länder des Kontinents. Ziel der Stippvisiten, so wird vermutet, war vor allem eines: Streicheleinheiten bei Staatsoberhäuptern verteilen, die Obama nicht selbst hatte besuchen können. Allen voran Nigeria, Südafrika und Kenia.

Leider verschwenden viele Führungskräfte in Afrika ihre Zeit noch immer damit, schier Außergewöhnliches aus Washington zu erwarten. Seit Jahrzenten leisten amerikanische (und westliche) Politiker offenkundig leere Versprechungen, unsere Entscheider zeigen sich allerdings überaus realitätsfern. Ohne Unterlass wird weiterhin auf Wunder aus dem Weißen Haus gewartet.

Trump & Ghana
 

Es ist doch so: Unabhängig davon, wer die Wahl im November gewinnt, werden die USA weiterhin eine große Bedeutung für den Kontinent haben. Viele gebildete Afrikaner wanderten in den 1980er und 90er Jahren in die Vereinigten Staaten aus. Etliche haben heute die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Diese Afrikaner, ebenso wie jene in Afrika selbst, werden weiterhin die Demokraten mit all ihrer Kraft unterstützen. Die Gründe dafür sind oft viel mehr emotionaler denn rationaler Natur. Den meisten Ghanaern dürfte zu den Republikanern nur ein einziger Pluspunkt einfallen: Die Schnellstraße in Ghanas Hauptstadt Accra wurde von George W. Bush Jr. gebaut. Demokrat Obama hingegen verpasste es, seinen oftmals großspurigen Worten auch die entsprechenden Taten folgen zu lassen.

Selbstbewusstsein demonstrieren

Afrika darf nicht länger eine Insel bleiben, sondern muss zwangsläufig mit der Welt interagieren. Es ist Zeit, dass die Politiker auf unserem Kontinent den mittlerweile archaischen Gedanken über Bord werfen, internationale Beziehungen würden auf Gefühlsduseleien beruhen und ein nettes Lächeln wäre gleichbedeutend mit ewiger Freundschaft oder uneingeschränkter Hilfe. Stattdessen müssen sie endlich die Interessen ihres Landes angemessen formulieren und ihre Forderungen mit Engagement und Leidenschaft verfolgen.

Der britische Premierminister Lord Palmerston sagte einst: „Wir haben weder einen ewigen Freund noch einen ewigen Feind. Einzig unsere Interessen sind dauerhaft.“ Dieser wichtigen Botschaft verwehren sich leider noch immer zu viele Führungskräfte unseres Kontinents. Und genau deswegen ziehen wir immer und immer wieder den Kürzeren. Statt selbstbewusst den Preis für die eigene Marke, für eigene Produkte zu bestimmen, betteln wir viel zu oft nach Almosen. So erscheinen die, die das Land unterdrücken und ausbeuten, letztendlich als die großen Heilsbringer. Und die, die afrikanisches Leben durch Stellvertreterkriege zerstören, inszenieren sich als ehrenvolle Retter einer ganzen Nation.

Genau das ist unser Problem.