20.07.2016
Übersetzt von Florian Sturm

Uganda und die USA

Nach langjährigen Konfrontationen zwischen Uganda und den USA verbesserten sich nach Idi Amins Sturz im Jahr 1979 die Beziehungen zwischen beiden Ländern. Unter dem 1986 gewählten Präsidenten Yoweri Museveni wurde Uganda gar zu einem wichtigen Verbündeten. So war das Land ein starker Partner im von George W. Bush geführten War on Terror. Vor zwei Jahren wurden die Beziehungen zwischen beiden Ländern jedoch auf die Probe gestellt, als die Obama-Administration im Zuge des verschärften Vorgehens gegen Homosexuelle in Uganda beschloss, die finanzielle Unterstützung für das afrikanische Land stark zu reduzieren und eine bereits angesetzte Militärübung zu widerrufen. Diese Maßnahmen wurden im Anschluss von Präsident Museveni als „erpresserisch“ bezeichnet.

Über Patience Akumu

Patience Akumu ist Rechtanwältin und eine preisgekrönte Journalistin aus Kampala, Uganda. Ihre Themenschwerpunkte sind Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Von 2009 bis 2013 arbeitete sie für die unabhängige Zeitung The Observer in Uganda und schrieb darüber hinaus unter anderem für die britischen Ausgaben von The Guardian, The Oberserver, The Independent, The Times und New Internationalist.

Als Barack Obama 2008 der erste schwarze US-Präsident wurde, versetzte das Afrika nahezu in einen Ausnahmezustand. Ein Schwarzer – noch dazu mit afrikanischen Wurzeln – war plötzlich der mächtigste Mann der Welt.

Straßenverkäufer klebten Obama-Poster an die Schubkarre, in der sie ihre Tomaten auf dem Markt verkauften; Frauen trugen Obama-Shirts bei der Gartenarbeit; die Wohlhabenderen hatten sein Konterfei als Aufkleber am Auto. Als endlich feststand, dass er es tatsächlich ins Weiße Haus schaffen würde, hielt ganz Afrika den Atem an.

Heute, vier Jahre später, ist die ganze Welt in heller Aufruhr ob des bevorstehenden Machtwechsels in den Vereinigten Staaten  – der einflussreichsten Nation auf diesem Planeten. So sehen sich die USA gerne. Doch diese Position mussten sie in den vergangenen zehn Jahren vor allem gegen das aufstrebende China verteidigen. Schließlich hat die asiatische Supermacht inzwischen mehr als nur einen Fuß in der Tür zur afrikanischen Wirtschaft.

Make America great again lautet das Mantra von Donald Trump, dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten, der inzwischen sinnbildlich für ein Leben in Reichtum sowie zahllose politische Übertreibungen steht. Bei Aussagen wie: Er wolle allen Muslimen verbieten, in die USA einzureisen und Alle amerikanischen Probleme ließen sich auf Einwanderer zurückführen sowie der öffentlichen, klischeebehafteten und sexualisierten Darstellung von Frauen, fällt es schwer, ihn überhaupt ernst zu nehmen. Für die meisten Afrikaner ist das Duell zwischen Trump und seiner demokratischen Kontrahentin Hillary Clinton eher eine Farce als ein tatsächlicher Zweikampf. Und zwar eine, die sie sich genüsslich aus der Ferne ansehen.

Sicher, viele Afrikaner haben in den USA inzwischen eine neue Heimat gefunden – ganz unabhängig davon, ob ein Stück Papier der Einwanderungsbehörde dieses Gefühl verstärkt oder nicht. Trumps Immigrationspolitik würden diese „Exilafrikaner“ definitiv zu spüren bekommen. Aber sehen wir die Sache doch mal so: Abgesehen von denen, die Afrika aufgrund von Kriegen oder anderen humanitären Schieflagen verlassen mussten, sollten Afrikaner denn nicht eigentlich in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren und hier die Zukunft aktiv mitgestalten, statt vor dieser Verantwortung zu fliehen?

Die Expertise muss hier in Afrika bleiben.

Die Probleme dieses Kontinents sind so greifbar, wie sie es schon immer waren. Hier gibt es Staatsoberhäupter, die weitaus unerträglicher und patziger sind als Trump. Auch Armut, Krankheiten und die mangelnde Entwicklung vieler Region müssen weiterhin bekämpft werden. Warum also flüchten die schlauesten Köpfe Afrikas in den Westen? Ärzte, politische Entscheidungsträger, Sportler. All jene, die wir hier so dringend brauchen, doch die der aktuellen Situation den Luxus einer weiterentwickelten Gesellschaft vorziehen. Vielleicht würde Trumps Präsidentschaft sie zwingen, dorthin zurückzukehren, wo sich ein ganzer Kontinent nach ihrer Expertise sehnt.

Nicht, dass die Wahlen in den USA von vielen Afrikanern mit großer Sorge betrachtet würden. Vor allem in Uganda. Vom Hype der westlichen Medien einmal abgesehen – und dem kann selbst hier niemand wirkungsvoll entgehen –, ist den Ugandern das Duell um den Einzug ins Weiße Haus selten mehr als eine Randbemerkung wert. Für viele ist Trump noch immer der fiese Boss, den sie vor zehn Jahren in einer billigen Raubkopie der US-Reality-Show „The Apprentice“ sahen. Mehr wissen sie selten über den Milliardär.

Trump & Uganda
Trump & Uganda

Im Falle Hillary Clinton jedoch ist die Lage gänzlich anders. Gemeinsam mit Ehemann Bill spricht man von den „Darlings of Africa“. Nicht umsonst tragen viele Menschen hier den Namen Clinton. Daran änderte auch die Sexaffäre des ehemaligen US-Präsidenten nichts. Ganz im Gegenteil. Spielte sie doch dem patriarchalen Verständnis von Polygamie und den sexuellen Freiheiten für afrikanische Männer vollends in die Karten.

Hillary beinahe mit Heldenstatus

Auch in der westlichen Welt sorgten der Sexskandal und dessen Auswirkungen auf Hillary Clintons Biografie für reichlich Gesprächsstoff. Anders als in der westlichen Welt wird sie in Afrika jedoch für ihren Lebensweg verehrt. Wir können sie verstehen, denn indem sie ihrem Mann den Seitensprung verzieh, trug sie die Hauptlast der patriarchalen Arbeit auf ihren Schultern, wie so viele afrikanische Frauen auch. Nichtdestotrotz hat sie es ganz nach oben geschafft. Clever, wortgewandt und stets kontrolliert zeigt sie, dass Frauen in jeder Ecke der Welt die Spannungen zwischen Privatleben und öffentlicher Bühne überwinden können.

Die politischen Narzissten Afrikas jedoch sind des Westens und seiner immer wieder schallenden Vorträge über „Demokratie“, darüber, was richtig und was falsch ist, längst überdrüssig. Sie wären glücklich, würden sich die USA unter Trumps Regentschaft selbst zerstören. Damit käme auch die Einsicht, dass die USA seit jeher intolerant und totalitär wären. Ganz egal, was Amerika selbst dazu sagt.

Doch gibt es auch die Möglichkeit, dass Afrika von einem US-Präsident Trump profitieren würde? Wird er tatsächlich effektiv gegen den Terrorismus und die instabile Lage vielerorts vorgehen? Wird er die afrikanischen Staatsmänner stellen, die bislang ihre Straffreiheit ausnutzen und ihre Bevölkerung versklaven? Wahrscheinlich nicht. Die Welt versucht seit Jahrhunderten, der Probleme in Afrika Herr zu werden und auch Trump ist kein Zauberer. Die Probleme Afrikas kann nur einer lösen: Afrika. Alles andere wäre nicht mehr als eine Zwischenlösung.