06.12.2014

 

Interview mit Tiken Jah Fakoly   

 

JournAfrica!: Mit „Africa Stop Ebola“ richten Sie sich sowohl an Afrikanerinnen und Afrikaner als auch an eine Weltöffentlichkeit, die den Verlauf der Krankheit medial verfolgt. Dafür konnten sie international renommierte Künstler wie Amadou & Mariam oder Salif Keita gewinnen. Wie kam es zu diesem gemeinsamen Vorhaben?

Wir haben bemerkt, dass die Leute anfangen Afrika zu stigmatisieren. Zu sagen Afrika gleich Ebola. Ich habe gehört, dass afrikanische Studenten im Maghreb den Spitznamen "Ebola" bekommen haben. Das gleiche ist an amerikanischen Schulen passiert, wo schwarze Schüler "Ebola" genannt wurden. Es musste also etwas getan werden, um unsere Landsleute dafür zu sensibilisieren. Andererseits gibt es bei uns immer noch Leute, die nicht an die Existenz der Krankheit glauben. Jemand musste sagen: Es ist wahr, Ebola existiert. Afrika ist bedroht, aber gleichzeitig ist es eine Angelegenheit, die die ganze Welt angeht. Die Situation ist schlimm. Und wir, die Künstler, wir wissen, dass wir Gehör finden. Es war wichtig, dass wir zusammenkommen, um etwas zu tun. Das ist der Kern des Ganzen.

 

Tiken Jah Fakoly im Interview mit Stefanie Otto - Teil 2   

 

JournAfrica!: Über Bob Geldofs Neuauflage von « Band Aid 30 » entstand weltweit eine hitzige Diskussion. Welchen Standpunkt vertreten Sie als Künstler in der Debatte?

Dass bekannte Künstler wie Bob Geldof sich engagieren und eine Nachricht verbreiten wollen, das halte ich für richtig. Sie können Geld zusammentrommeln, um diejenigen zu unterstützen, die sich vor Ort einsetzen. Aber was wir nicht wollen sind Nachrichten, die uns stigmatisieren. Wir sind keine Afrikaner, die dauernd sagen: «Habt Mitleid! Ihr müsst uns helfen!» Deshalb sind wir in Afrika aufgestanden, um zu sagen: Dieses Afrika da, es steht aufrecht. Trotz Ebola steht Afrika aufrecht! Wir haben uns entschieden die Stimme zu erheben, unsere Stimme zu nutzen, um zur Sensibilisierung beizutragen. Wir lehnen es ab, dass man Ebola mit Afrika gleichsetzt, dass man Ebola mit uns Afrikanern gleichsetzt. Sie glauben, ganz Afrika sei betroffen, dabei sind es nur drei oder vier Länder. Wir müssen vermeiden, dass man Ebola immer gleich mit Afrika und Schwarzsein assoziiert. Man muss klarmachen, dass es eine Krankheit ist, die keine Hautfarbe kennt, die nicht unterscheidet, welcher Nation du angehörst, die keine Grenzen zwischen Kontinenten zieht, die sich überallhin verbreiten kann. Um sie zu stoppen, müssen wir alle gemeinsam anpacken, weltweit.