16.02.2016

Rebecca Nansubuga sitzt auf dem Deckel eines Holzsarges und lässt die Beine baumeln. Es ist ein sonniger, aber milder Vormittag in Kampala, mit ungewöhnlich viel Verkehr. Rebeccas Augen suchen rastlos die Umgebung ab. Sie wartet auf Kunden, die ihre Särge kaufen.

Von Männern dominiert

"Eine Frau zu sein bringt dir hier keinen Vorteil“, sagt Rebecca. Der Wettbewerb im Geschäft mit Särgen ist sehr hart, für alle. Das bestimmt die Geschäftstaktik. "Wir entdecken einen möglichen Kunden sofort“, erklärt Rebecca. "Wir gehen auf ihn zu und beginnen erst einmal vehement von unserer Konkurrenz abzuraten. Worte sind meine Marketing-Strategie. Manchmal muss man seine Konkurrenten fälschlicherweise beschuldigen, um die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen.“

Sarghändlerin Rebecca Nansubuga wartet auf Kunden.
Rebecca Nansubuga steht in ihrem Geschäft und wartet auf Kunden.
Särge der oberen Preisklasse. Sie kosten zwischen 200 und 300 Dollar.
Särge der oberen Preisklasse. Sie kosten zwischen 200 und 300 Dollar.

Mehr als zehn Jahre im Geschäft

Rebecca begann mit dem Verkauf von Särgen bereits im Jahr 2004. Vorher hatte sie Lebensmittel verkauft. Doch damit kam sie auf keinen grünen Zweig. Also borgte sie sich etwas Starthilfe von ihrem Ehemann und eröffnete ihre Werkstatt - ganz in der Nähe des Leichenschauhauses des Mulago Hospital, einem der größten Krankenhäuser Ugandas.

Statt im Schaufenster werden die Särge am Straßenrand ausgestellt.
Statt im Schaufenster werden die Särge am Straßenrand ausgestellt.

"Ich mache das Beste daraus"

In ihrer Branche kommen Kunden meist in Gruppen, nur selten allein. Manchmal haben sie Tränen in den Augen. Der Verkäufer, der den vertrauenswürdigsten Eindruck macht, gewinnt. Sargverkäufer wie Rebecca näheren sich ihren Kunden im Schwarm. Dann beginnt das Verhandeln. Einige Anbieter kommen mit Kreuzen, andere mit Kindersärgen. Das Ziel bleibt das gleiche. „Ich habe noch nie darum gebetet, dass jemand stirbt“, erzählt Rebecca. „Aber wenn es doch passiert, mache ich das Beste daraus.“

Rebecca lackiert einen ihrer Särge. Jeder zusätzliche Handgriff sichert ihr eine bessere Position am Markt.
Rebecca lackiert einen ihrer Särge. Jeder zusätzliche Handgriff sichert ihr eine bessere Position am Markt.

Bestattung mit Rundum-Paket

Rebecca versteht sich als Dienstleisterin mit einem vielfältigen Angebot: "Ich kann auf deiner Beerdigung singen, solange du mich bezahlst. Ich singe alle Tonlagen außer Bass. Ruf mich an, wenn du jemanden verlierst, ich werde singen." Auch traditionelles Leichenwaschen bietet sie an, Accessoires für eine einmalige Beerdigung - und vieles mehr.

Goldenes Kreuz auf Sarg in Uganda
Das goldene Kreuz ist eines der Accessoires, die Rebecca ebenfalls verkauft.

Der Profi wahrt Distanz

Das Geschäft mit dem Tod ist keine leichte Aufgabe. Tag für Tag bewegt sich Rebecca in einem Spannungsfeld zwischen menschlichem Schmerz und unternehmerischen Gewinn, zwischen der tiefen Trauer ihre Kunden und ihrem eigenen Bemühen, Brot nach Hause zu bringen und die Kinder zu ernähren. "Es hilft dir nur, wenn du die Kunden wirklich als Kunden betrachtest und dich nicht auf ihren Schmerz einlässt.“ So bewältigt sie ihren täglichen inneren Kampf.

Trauernde Familie mit Sarg in Uganda
Eine trauernde Familie trägt einen Sarg zum nahegelegenen Leichenschauhaus.
Trauernde Familie mit Sarg in Uganda
Auf dem Weg zum Leichenschauhaus

Die Mühe zahlt sich aus

Ob Rebecca ihren Sarghandel beenden würde, wenn sie eine andere Chance bekäme? Wohl kaum. Das Bestattungsgeschäft ist ein sicheres Modell. "Menschen sterben immer. Mindestens 190 von 200 Menschen sterben", antwortet Rebecca mit einem Lächeln. Am Anfang hätte sie Angst vor Särgen gehabt, mittlerweile aber daran gewöhnt. Nun profitiert hat ihre ganze Familie. "Ich habe meine vier Kinder in die Schule geschickt, habe Häuser gebaut und Schweine gekauft." Der Weg zurück in ihr altes Lebensmittelgeschäft, er ist keine Option mehr.

Bestatterin in Uganda vor Sarg.
Heute hat Rebecca keine Angst mehr vor Särgen.