15.01.2015
Übersetzt von Solveig Roosch

Vor der französischen Botschaft in Bujumbura hat sich eine große Menschenmenge versammelt an diesem Sonntag. Unter den Demonstranten befinden sich Journalisten, Privatleute und Polizisten. Aber auch Würdenträger und sogar zwei ehemalige Präsidenten sind gekommen. Sie alle verurteilen das Blutbad von Paris aufs Schärfste. Unermüdlich strecken sie ihre Schilder in die Höhe: JE SUIS CHARLIE. JE SUIS CHARLIE. Der Satz ist überall.

Zu der Versammlung hatte der Vorsitzende des burundischen Journalistenverbandes UBJ, Alexandre Niyungeko, aufgerufen. Gemeinsam mit anderen Journalisten überreichte er dem französischen Botschafter ein schwarzes Schild mit der Aufschrift „Nous sommes tous Charlie“ - „Wir alle sind Charlie“. Fünf verschiedene Medienverbände haben die gemeinsame Solidaritätsbekundung unterschrieben.

Sie alle wollen ihr Mitgefühl für die Opfer und die Hinterbliebenen ausdrücken. Viele seiner Mitarbeiter empfänden ehrliche Trauer, meint Alexandre Niyungeko. Doch auch nach Überwinden des ersten Schocks sei es nun wichtig, sich des Blutbads zu erinnern. „Was Charlie Hebdo passiert ist, könnte jeder Zeitung auf der ganzen Welt passieren. Egal wo und egal wann.“

Niyungeko geht davon aus, dass der Angriff nicht nur den französischen Journalisten galt, sondern gegen die Medien weltweit gerichtet war. „Wir lehnen solche Taten ganz entschieden ab.“ Die burundischen Journalisten ließen davon aber nicht entmutigen, fügt er hinzu. Sie seien entschlossen, ihre Arbeit fortzuführen.

Zu der Veranstaltung sind jedoch nicht Journalisten gekommen. Unter den vielen anderen, die ihre Betroffenheit äußern wollen, befinden sich auch Pierre Buyoya und Sylvestre Ntibantunganya, zwei ehemalige Präsidenten des Landes. Sie fordern entschieden die Bekämpfung des weltweiten Terrorismus. Buyoya, derzeit Hoher Vertreter der Afrikanischen Union in Mali, bringt es ohne Umschweife auf den Punkt: „ Dem Terrorismus muss überall dort, wo er sich zeigt, die Stirn geboten werden.“

Auch Senator Sylvestre Ntibantunganya kann sich mit Charlie Hebdo identifizieren. Stolz erzählt er, dass auch er früher einmal im Journalismus tätig gewesen sei. „Als überzeugter Verfechter der Meinungsfreiheit bin auch ich Charlie. Wer auf so niederträchtige Weise Menschen angreift, die diesen ehrenwerten Beruf ausüben, greift auch uns an und die ganze Welt.“ Er sei gekommen, um den Terroristen ein entschlossenes Nein entgegenzurufen, so Ntibantunganya weiter. Der Ex-Präsident ist davon überzeugt, dass die Geschehnisse von Paris Menschen auf der ganzen Welt wachgerüttelt haben - und damit paradoxerweise sogar positive Auswirkungen haben könnten.

Am 8. Januar, ein Tag nach dem Attentat auf das Satiremagazin, legten die burundischen Medien zur Mittagszeit eine Schweigeminute in Gedenken an die Opfer ein.

Der französische Botschafter in Burundi zeigte sich sehr erfreut über solche Gesten. „All das zeigt, dass nicht nur Frankreich von dieser Tragödie betroffen ist. Die Betroffenheit geht weit über die Grenzen Frankreichs hinaus“, sagt er. Er machte außerdem deutlich, dass die Bekämpfung des Terrors ebenfalls nicht nur in der Hand der Franzosen liege, sondern die Zusammenarbeit aller Menschen erfordere.