27.12.2014
Übersetzt von Uta Stareprawo

Léonard Habimana und Odette Akimana lernen sich 2001 in der Kommune Nyakabiga in Bujumbura kennen. Sie drücken beide noch die Schulbank: er studiert an der Université du Burundi, sie ist im letzten Jahr am Gymnasium. In der Gemeinde lebt auch Libérate Nicayenzi, eine Parlamentarierin und Mutwa. Die Studenten aus ihrer Gemeinde, darunter auch Léonard, treffen sich oft bei ihr. Libérate ist trotz ihrer häufig geächteten ethnischen Herkunft seit ihrer Kindheit mit Odettes Mutter befreundet. Und so kommt es, dass auch Odette selbst bei diesen Treffen dabei ist.

Als Léonard sie zum ersten Mal erblickt, kann er die Augen nicht mehr von ihr lassen. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass er sich in sie verliebt. Ein Jahr später gesteht er ihr dann zum ersten Mal seine Zuneigung. „Ich gestand ihr meine Liebe, aber wie Sie wissen, ein burundisches Mädchen sagt nicht einfach spontan »Ja«“, gibt er zu. Da Odette aber auch nicht »Nein« sagt, kann Léonard nun voller Gewissheit hinzufügen: „Letztendlich hatte auch sie sich in mich verliebt. Ich sah es in ihrem Gesicht. Also habe ich ihr mein Herz geschenkt, und sie schenkte mir das ihre.“

„Ja, ich bin mit einem Mutwa verlobt“

Doch ihre Geschichte ist nicht nur rosarot. Denn beide stoßen bald auf Schwierigkeiten. „Meine Familie machte sich Sorgen“, erzählt Léonard. „Sie dachten, dass unsere Beziehung nicht lange halten würde, wenn Odette und ich zusammenleben.“ Für Odette wurde es sogar noch schwieriger. Sie wusste nicht, wie sie mit ihrem Umfeld über ihren Freund sprechen sollte. „Ich habe es nur denen gesagt, die mich gefragt haben. Ihnen habe ich dann versichert: Ja, ich bin mit einem Mutwa verlobt“, erzählt sie.

Die ersten, die davon erfuhren, wollten vor allem eines wissen: „Wie wird deine Familie diese Neuigkeit aufnehmen?“ Aber die Ehe mit dem Mann ihrer Wahl gibt ihr den nötigen Halt, denn es ist Léonard, der sie stets ermutigt und unterstützt. Die beiden sind sich einig: „Es ist unsere Angelegenheit. Es geht weder um die, die dagegen sind, noch um die, die uns verstehen. Unsere Zukunft geht nur uns etwas an.“

Anfeindungen hören nicht auf

2004 ziehen Léonard und Odette zusammen. Noch im November desselben Jahres bekommen sie ihr erstes Kind, was die Situation nicht vereinfacht. Odettes Eltern haben zwar kein Problem damit, dass sie mit einem Mutwa zusammenlebt, doch andere Menschen in ihrem Umfeld sind dagegen. Und ihr Vater bekommt die Konsequenzen zu spüren. „Bei den Familien aus meiner Umgebung, wurde Vater derart ausgegrenzt, dass er die Nachbarn um überhaupt nichts mehr bitten konnte“, erinnert sich Odette. Erst nach dem 8. März 2008, dem Hochzeitstag des Paares, verstummten die Feindseligkeiten nach und nach.

Eines Tages besucht das Ehepaar Odettes Familie in Mugamba, in der Provinz Bururi im Süden von Burundi. „Viele unserer Nächsten waren gekommen. Sie waren neugierig auf den Mutwa, der die Hand einer ihrer Töchter gewonnen hatte“, erinnert sich Odette. „Zu ihrer großen Überraschung haben sie erkannt, dass mein Schatz ihnen sehr ähnlich ist. Manche haben sogar behauptet, ich hätte gelogen, was seine ethnische Zugehörigkeit angeht.“

Heute haben Odette und Léonard drei Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen: die Älteste wird im November zehn, das Jüngste ist drei Monate alt. Es sind Kinder, die jenseits aller Diskriminierung zum Spiegel einer Liebe wurden.

 

Erstveröffentlichung: Odette, mariée à un mutwa: l'amour vainc la discrimination