19.02.2015
Übersetzt von Natascha Tenner

Nach dem Ende der kolonialen Eroberungen in Afrika war die Möglichkeit, die Dienste einer Bank in Anspruch zu nehmen, nur der regierenden Elite vorbehalten. Die überwiegende Mehrzahl der Afrikaner hatte bis dahin keinen Zugang zu jeglichen Finanzmitteln und war somit auf Familiendarlehen oder lokale Kredithaie angewiesen.

Dasselbe galt für Kenia: Auch hier wurden Banken von der Mehrheit der Landbevölkerung als ein schwer zugänglicher Luxus betrachtet, der vor allem den Eliten zugute kam. Ich erinnere mich an eine Geschichte meines Großvaters, die mir meine Mutter immer wieder erzählte. Er war durch sein Vieh- und Fleischgeschäft sehr wohlhabend geworden. Doch da er weder Englisch schreiben noch lesen konnte, blieb ihm die Möglichkeit, sein Geld zu einer Bank zu bringen, verwehrt. Mein Großvater war also dazu gezwungen, sein ganzes Vermögen in einer kleinen Schublade zu Hause aufzubewahren.

James Mwangi
James Mwangi ist der geistige Vater der Equity Bank.

Heute hat sich die Situation radikal verändert. Die Finanzbranche hat erkannt, welches Potential sich hinter der wachsenden Bevölkerung verbirgt. Für die meisten Banken galt als potentieller Kunde lange Zeit nur die wohlhabende Elite. Doch mittlerweile versuchen sie an jeder Straßenecke, die Aufmerksamkeit auch gering verdienender Menschen auf sich zu ziehen. Auch in meiner Heimatstadt bieten die meisten Banken ihre Broschüren und andere Materialien auf Englisch und Swahili an, sodass der auch der älteren Generation der Zugang dazu ermöglicht wird. Menschen, die nur ihre Muttersprache sprechen (Anm. d. Red.: Swahili ist in Kenia meist nur eine Verkehrssprache und damit selten Muttersprache, insgesamt gibt es ca. 69 gesprochene Sprachen in Kenia) werden dazu eingeladen, mit ihrer Familie die Bankfiliale aufzusuchen, die sie dann bei den Formalitäten unterstützen kann.

Doch bereits lange bevor dieses ganze Tohuwabohu seinen Lauf nahm gab es einen Mann, der eine Vision hatte und sich dafür entschied der Landbevölkerung zu helfen.

Peter Munga gründete 1984 eine kleine Baugesellschaft, die anbot Hypotheken für Geringverdienende zu finanzieren. Das Angebot der „Equity Building Society“ war vor allem an die Landbevölkerung gerichtet, welche sich größtenteils aus Analphabeten, mit geringem bis durchschnittlichem Einkommen zusammensetzte und in Gebieten wohnte, in denen es weit und breit keine Bank gab. Die Menschen erhielten Zugang zu kleineren Darlehen, die es ihnen ermöglichten sich ein Eigenheim zu bauen und damit ihren Lebensstandard zu verbessern.

Die Geburt der Equity Bank

Doch 1993 ging die Baugesellschaft bankrott und machte Verluste in Höhe von rund 33 Millionen Kenianische Schilling. Anstatt aufzugeben, entschied sich der Gründer jedoch für eine andere Strategie. Er wandelte die Bank in eine Mikrokreditbank um und entschloss sich dabei, die Hilfe eines jungen Hochschulabsolventen in Anspruch zu nehmen: James Mwangi, ein Wirtschaftsprüfer, der seinen Abschluss in Finanzwesen an der Universität von Nairobi gemacht hatte.

Equity Centre
Das Equity Centre in Nairobi.

Mwangis Lebenslauf gleicht dem vieler anderer Kenianer: Er wuchs im ländlichen Gebiet von Kangema in Kenia auf, wo ein neues Paar Schuhe eine der besten Sachen ist, die einem passieren können. Mwangi hatte zwar keine großen Ambitionen für sein Leben, doch war er ein guter Schüler. So konnte er sich nach seiner Schullaufbahn an der Universität von Nairobi für das Studium des Finanzwesens einschreiben. Nach seinem Abschluss erhielt er eine Anstellung beim staatlichen Sozialversicherungsfonds Kenias. Doch dann kam das Angebot, bei Equity Kenya einzusteigen. Gleich zu Beginn wurde er zum Finanzdirektor ernannt und war gleichzeitig für das strategische Gesamtkonzept der Bank zuständig. Diese hatte damals nur 27 Angestellte, 27000 Kunden und fünf Zweigstellen und war in einer miserablen Lage. Mwangi stand vor einer riesigen Herausforderung.

Er widmete sich ihr voll und ganz. Mwangi verbrachte Tage und Nächte damit die Situation der Equity Mikrokreditbank zu verbessern. Die größte Herausforderung bestand darin mehr Kundschaft zu gewinnen. Also verbesserte er den Kundenservice. Die Bedürfnisse des Kunden sollten von nun an als die wichtigste Ressource bei Equity angesehen werden. Die Zielgruppe waren Kleinbauern und Landwirte in den ländlichen Gebieten.

Die Neuorientierung der Equity sprach sich schnell herum. Menschen, denen zuvor kein Zugang zu Krediten gewährt wurde, standen nun in den Filialen Schlange und baten um finanzielle Unterstützung. Mwangi hielt an seinem neuen Konzept der Kundenbetreuung fest und gewann so die Sympathie derer, die sich zuvor von allen anderen Banken vernachlässigt gefühlt hatten.

Equity und James Mwangi: Vorkämpfer für Wohlstand in Afrika

Im Jahr 2004 entschied sich die Geschäftsführung den nächsten Schritt zu gehen und das Mikrofinanzinstitut in eine Bank umzuwandeln. Ziel war es zum Vorkämpfer des Wohlstands für die Menschen Afrikas zu werden. Immerhin gab es dafür eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung und zahlreiche neue Mitglieder. Equity hatte immer wieder Wege gefunden, das Bankwesen zu vereinfachen und es zugänglicher für die Bevölkerung zu gestalten. Zehn Jahre nach der Umwandlung, gehört sie heute in den Bereichen Mitgliederzahlen, Kundenbetreuung, Technologie, Innovationskraft und Einbettung in den Finanzsektor zu den führenden Banken in ganz Afrika. Auch der Gewinn steigt weiterhin kräftig an: Im ersten Halbjahr 2014 verzeichnete Equity ein Gewinnwachstum von 21% und 7,6 Milliarden Kenianischen Schilling (EUR 73.38 Mio.).

Inzwischen hat die Bank über neun Millionen Kunden auf dem ganzen Kontinent und nimmt damit den Spitzenplatz auf dem afrikanischen Markt ein. Zweigstellen findet man in ganz Ostafrika darunter in Ruanda, Uganda, Tansania sowie im Südsudan. Die Bank ist laut ICERITAS, einem internationalen Marktforschungsinstitut, nicht nur die beliebteste Bank in Kenia, sondern auch der größte Mikrofinanzanbieter in Ost- und Zentralafrika. Das liegt wohl auch daran, dass Equity die niedrigsten Kontoführungsgebühren aller Finanzinstitute in Ostafrika verlangt.

Mwangi hat immer wieder betont, dass er die Kenianer von der monopolistischen Umklammerung befreien und ihnen durch die Bankdienstleistungen mehr Entscheidungsfreiheit über ihren Lebensstil ermöglichen will. Vom Aufschwung der Equity Bank profitiert auch die kenianische Gesellschaft. So fördert die Bank inzwischen auch junge Menschen, die ihr Abitur zwar abgelegt haben, aber aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten, keine universitäre Ausbildung beginnen können. Während bereits 8000 Schüler das „Wings to Fly“-Stipendium erhalten haben, freut sich Equity über Nachwuchs: die Besten werden dazu eingeladen nach ihrem Abschluss bei der Bank anzufangen.

James Mwangis große Leistungen werden mittlerweile in ganz Afrika in den höchsten Tönen gelobt. Das Ordensband "Chief of the Order of the Burning Spear" vom kenianischen Staat ist nur eine von vielen Auszeichnungen, die er in den letzten Jahren erhalten hat. Seine Strategien zur Umstrukturierung der Equity Bank werden als Studienmodelle in führenden Wirtschaftshochschulen weltweit verwendet. Mwangi tüftelt jedoch schon an der nächsten Herausforderung. Er ist Vorsitzender des Entwicklungsprogramms Kenya’s Vision 2030, das Kenia in ein Land mit mittlerem Einkommen und hohem Lebensstandard verwandeln soll.