30.11.2014
Übersetzt von Gerald Maass

Im vergangenen Oktober traten die Ärzte der staatlichen Krankenhäuser in einen dreiwöchigen Streik. Zuvor hatten sie das zuständige Ministerium für Gesundheit und Kinderwohlfahrt dazu aufgefordert, ihre Einkommens- und Arbeitssituation zu überprüfen – ihrer Ansicht nach ohne eine angemessene Reaktion.

Der Streik ist aber nicht die einzige Herausforderung, der sich das simbabwische Gesundheitssystem derzeit stellen muss. Der Dachverband der privaten Krankenkassen, die Association of Health Funders of Zimbabwe (AHFOZ), und verschiedene Gesundheitsorganisationen liegen im Clinch mit dem Ministerium und privaten Krankenhäusern. Ihnen geht es vor allem um die Höhe der Erstattungen für die Behandlungskosten ihrer Patienten. 

Dabei sind es die privaten Krankenhäuser selbst, die medizinisch am besten ausgestattet sind und daher vor allem zahlungskräftige Patienten anlocken. Sie stehen im Mittelpunkt einer boomenden Medizinbrache, die ihr Augenmerk vor allem auf eines legt: den Profit.

Das Gesundheitssystem – die Wurzel beider Konflikte – liegt derweil selbst auf der Intensivstation. Dem hiesigen Personal, den Politikern und Gesundheitsexperten, fehlt die Ausrüstung für die überfällige Notoperation.

"Das renkt sich schon wieder ein"

Vielleicht sind ihre Absichten auch einfach nicht so ehrbar, wie man erwarten möchte. Denn das Ministerium scheint Probleme lieber unter den Teppich zu kehren. Die Unfähigkeit, angemessen auf die Forderungen der Ärzteschaft zu reagieren, verstärkte diesen Eindruck – von einer langfristigen Reform des Gesundheitswesens ganz zu schweigen. Dabei wäre diese dringend nötig, um gerade den Armen im Land Zugang zu einer bezahlbaren Versorgung zu verschaffen.

Die Regierung treibt stattdessen die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens voran und hängt gleichzeitig am Tropf der Entwicklungshilfe. Die Folge: Große Belastungen für das medizinische Personal in den staatlichen Krankenhäusern und eine schlechtere Gesundheitsfürsorge für Patienten mit niedrigem Einkommen. Deshalb muss der Streik der staatlichen Ärzte so ernst genommen werden. Denn der Ansatz der Regierung – frei nach dem Motto „Das renkt sich schon wieder ein“ - wird die Probleme nicht lösen.

In privaten Krankenhäusern hängen Qualität und Umfang der Versorgung vom Geldbeutel der Patienten ab. Aufgenommen zu werden bedeutet noch lange nicht, auch angemessen behandelt zu werden – gerade wenn weder man selbst noch die Familie das nötige Kleingeld mitbringen. Folgerichtig sind es auch die privaten Kliniken, die sich bei den Krankenversicherungen beschweren, wenn Rechnungen der Patienten nicht gezahlt werden. 

Nicht mehr die negativen Folgen für die Patienten stehen im Mittelpunkt der Debatte, sondern nur noch Profitraten und Gewinne. Das gilt insbesondere für die privaten Krankenversicherer, die ihren leitenden Angestellten bekanntermaßen unverhältnismäßig hohe Gehälter zahlen. Das zeugt von besorgniserregender Verantwortungslosigkeit und Hochmut.

Der marode Zustand der staatlichen Krankenhäuser schafft derweil einen großen Markt für private Gesundheitsdienstleister. Die Streitigkeiten zwischen den freien Versicherern und den privaten Krankenhäusern lassen sich also als Kampf um das größere Stück vom Kuchen deuten. Mit dem Versuch, die Qualität der Leistungen und ihre Verfügbarkeit für viele sicherzustellen, hat das nichts mehr zu tun.

Der Staat kommt seiner Sorgfaltspflicht nicht nach

Das Gesundheitssystem ist in der Krise, das Personal streikt. Der Staat bleibt passiv und missachtet das Recht der Bürger auf eine ausreichende Gesundheitsfürsorge. Ideenlose private Akteure haben nur ihren Gewinn im Blick. Es ist Zeit, das gesamte System gründlich zu überarbeiten.

Endlich müssen wieder die Patienten im Mittelpunkt stehen. Der wild wuchernden Kommerzialisierung muss ein Ende gesetzt werden. Zudem bedarf es besserer Arbeitsbedingungen für die öffentlich Beschäftigten – einschließlich Möglichkeiten zur Mitbestimmung.

Der Staat hat die gegenwärtige Misere zu verantworten. Er beschränkt sich darauf, Brände zu löschen, die vorhersehbar sind und sich seit Jahren wiederholen. Damit gefährdet er das Recht der Simbabwer auf Gesundheit und Leben.

*Takura Zhangazha schreibt im eigenen Namen. Dieser Artikel wurde auf seinem Blog takura-zhangazha.blogspot.com erstveröffentlicht.

Erstveröffentlichung: takura-zhangazha.blogspot.com