09.02.2016
Übersetzt von Marie Adler

In den letzten Jahren gehörte es für westliche Politiker schon fast zum guten Ton, positive Statistiken über die Entwicklung Afrikas zu verbreiten. Wirtschaftswissenschaftler präsentierten beeindruckende makroökonomische Zahlen, die Afrika als die am schnellsten wachsende Region der Welt zeigten. Doch woher kommen dann die Armut und das Elend, die man noch immer in den Straßen sehen kann?

Ein klarer Blick auf die Zahlen schmälert die Wirkung der ökonomischen Kennziffern beträchtlich. Denn einem Großteil der Afrikaner geht es nicht besser als vorher. Von dem wirtschaftlichen Wachstum der vergangenen Jahre haben nur einige Wenige profitiert. Die vielzitierte Schere zwischen Arm und Reich ist noch größer geworden. Und die westlichen Wirtschaftsprogramme sind daran nicht ganz unschuldig.

Viele afrikanische Länder hängen finanziell von dem Export von Rohstoffen ab. Da die Preise für die Produkte jenseits ihrer Landesgrenzen bestimmt werden, haben die Hersteller selbst kein Mitspracherecht. Kollabieren die Preise auf dem Weltmarkt, haben die betroffenen Staaten keine Chance. Den ohnehin schon armen Ländern bleibt dann gar nichts anderes mehr übrig, als weitere Schulden zu machen.

Doch neue Kredite sind immer auch an Bedingungen gekoppelt: Der Internationale Währungsfond (IWF) öffnet den Geldhahn nur dann, wenn das jeweilige Land seine Industrie und seine Landwirtschaft für den globalen Wettbewerb öffnet. Billige Produkte aus dem Ausland überschwemmen in der Folge die lokalen Märkte und ersticken die aufkeimenden Industrien der armen Länder im Keim. Dieses Schicksal ereilt auch viele afrikanische Bauern: Sie müssen plötzlich mit extrem billigen und zum Teil auch noch subventionierten Importprodukten Schritt halten.

Im November 2015 rief der ghanaische Präsident John Dramani Mahama die Kampagne Made in Ghana ins Leben. In einer Rede machte er klar, warum: Denn allein im Jahr 2014 hatte sein Land 1,5 Milliarden Dollar für den Import von Reis, Zucker, Fisch, Tomaten und einfachem Speiseöl ausgegeben. „Hätten wir dieses Geld in Ghana ausgegeben, wäre es in die Taschen von ghanaischen Unternehmern geflossen, die unsere Wirtschaft hier in Ghana gestärkt hätten“, klagte er. Mahama wies auf Ghanas große Vorteile gegenüber anderen Ländern hin, vor allem mit Blick auf das Klima und die Verfügbarkeit von Anbauflächen. Er forderte seine Landsleute dazu auf, zu konsumieren „was wir produzieren und zu produzieren, was wir konsumieren.“

Zwar scheint Ghanas Präsident ein grundlegendes Problem durchschaut zu haben. Doch leider ist er wenig handlungsfähig, denn die wirtschaftlichen Vorgänge in Ghana liegen fest in der Hand des IWF: Kredite gegen Marktliberalisierung. Ein prominentes Beispiel dafür ist die immer schwieriger werdende Lage der Geflügelbauern in Ghana. Der Präsident der Ghana National Association of Poultry Farmers („Nationaler Verein für Geflügelbauern Ghanas“), Victor Oppong-Agyei, bezifferte den Anteil der importierten Hühner auf mittlerweile 70 Prozent bzw. 350 Millionen Dollar. Der Grund hierfür ist einfach: Importierte Geflügelprodukte sind unvergleichbar billiger als die von regionalen Landwirten. „Ein importiertes tiefgefrorenes Huhn kostete einmal 10 Cedis pro Kilo, wurde jetzt aber sogar bis auf 7 Cedis reduziert. So billig können wir gar nicht produzieren. Unsere regionalen Produkte liegen bei etwa 12 Cedis pro Kilo.“

Bereits 2011 hatte das ghanaische Parlament beschlossen, importiertes Geflügel mit einem Einfuhrzoll zu belegen. Doch der Internationale Währungsfonds meldete Bedenken an. Die Richtlinie wurde nie umgesetzt.

Mittlerweile mache die regionale Geflügelproduktion aktuell nur noch fünf Prozent des gesamten Geflügelkonsums des Landes aus, so Verbandsvorsitzender Oppong-Agyei weiter. Er wünscht sich von der ghanaischen Regierung Strategien, wie einheimische Bauern gegenüber ausländischen Landwirten gestärkt werden können. „Sollte die Regierung ihren Worten Taten folgen lassen, hätte das außerordentlich positive Folgen für den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft des Landes. Wenn nicht, könnte unsere Industrie, die eigentlich ein riesiges Potential hat, bald zum Erliegen kommen.“