16.03.2015
Übersetzt von Sarah Osterberg

Verschlossen und mit finsterer Miene sitzt Martine in ihrem Haus in Kihumulire, einem Viertel von Butembo, nahe der Grenze zu Uganda. Sie wurde von ihrem Mann im Januar beinahe verstoßen, weil sie ohne sein Einverständnis begonnen hatte, bei einer lokalen Nichtregierungsorganisation zu arbeiten. „Er sagte, dass sich seine Freunde über ihn lustig machen werden. Sie würden glauben, er könne seine Familie nicht ernähren. Also werde er das nicht zulassen“, erzählt Martine mit leerem Blick und Tränen in den Augen.

Auch Katungu Faida, Mutter von sechs Kindern, konnte ihren Mann nicht dazu bringen, ihre Arbeit bei einem Menschenrechtsverband zu akzeptieren. Ihre Angehörigen haben vergeblich versucht ihn umzustimmen. Selbst einige Arbeitgeber weigern sich Frauen zu beschäftigen: „Alle werden behaupten, dass ich mich an sie heranmache“, so Kambale Kazimoto, Unternehmer in Butembo. Immer noch ist die große Mehrheit der Ehemänner dagegen, dass ihre Partnerinnen arbeiten.

Den häuslichen Frieden wahren

In Butembo und Umgebung dürfen Frauen nur mit der Erlaubnis des Ehemanns eine Beschäftigung aufnehmen. Diese Bestimmung ist in Artikel 448 des kongolesischen Familiengesetzbuchs von 1987 festgehalten: „Die Frau muss die Genehmigung des Ehemanns für jegliche Rechtshandlungen einholen, bei denen sie sich für eine Leistung verpflichtet, die sie persönlich erbringt.“ Und laut Artikel 444 gilt außerdem: „Der Mann steht dem Haushalt vor. Er schuldet seiner Frau Schutz; die Frau schuldet ihrem Mann Gehorsam.“ Solche Bestimmungen sind es, die die absolute Abhängigkeit aufrecht erhalten.

„Mein Mann ist alt, trotzdem erwarten wir alles von ihm“, erzählt Madeleine, die seit drei Jahren ausgebildete Geburtshelferin ist. „Vor der Ehe habe ich gearbeitet. Heute verlangt mein Mann, dass ich zu Hause bei den Kindern bleibe. Ich habe keine Wahl“, beklagt sich die Frau. Sie musste ihre Tätigkeit aufgeben.

Nach Aussage des Anwalts Sekera Kivasuvwamo haben die Betroffenen das Recht, sich gerichtlich zu wehren. Allerdings zögern Frauen, ihre Ehepartner vor Gericht zu bringen, um keine Probleme zu machen. Einige Frauenrechtsorganisationen versuchen auf die Männer einzuwirken, aber ohne Erfolg. Die meisten Frauen beugen sich dem Hausfrieden. „Der Kinder wegen lebe ich mit meinem Mann zusammen. Ich kann sie nicht allein lassen“, so Justine Sawasawa, die mit ihrem dritten Kind im Arm zuhause bleibt.

Die Tradition als Vorwand

Selbst Männer, die das Studium ihrer Frauen unterstützt haben, akzeptieren nur selten, dass sie nach dem Abschluss arbeiten. „Damit man mich klein redet?“ - so lautet die Antwort von Jean Sohavinywa immer auf die Bitte seiner Frau, die nach ihrem Abschluss am ISTM (Institut supérieur des techniques médicales) als Krankenschwester tätig sein wollte. Diejenigen, die ihrer Frau ein Studium verweigern, berufen sich auf Sitten und lokale Bräuche. Viele von ihnen denken: 'Die Frau soll keine Initiative ergreifen. Alles soll ihr allein von mir aufgetragen werden.' Ein Argument, das die Anwältin Cathy Katungu Furaha von der Nichtregierungsorganisation FJDF („Anwältinnen für die Verteidigung der Rechte von Frauen und Kindern“) zurückweist. Sie betont, dass ein Beschäftigungsverhältnis der Frauen nicht zwangsläufig zu Konflikten in den Familien führt: „Ich bin berufstätig, aber ich liebe und respektiere meinen Mann.“

Andere Frauenrechtler argumentieren ähnlich. „Die Sitten verbieten keine Berufstätigkeit der Frauen. Sie verweigern ihnen nur, die Oberhand gegenüber ihren Ehemännern zu gewinnen. Von ihnen muss also alles abgesegnet werden", erklärt Anwalt Moïse Syaghuswa, Verteidiger am Landgericht Butembo. Zwar gebe es keine Rechtsvorschrift, die die Zustimmung des Ehegatten ausdrücklich verbiete. Aber mit der Verfassung der Demokratischen Republik Kongo von 2006 sei dieses Prinzip der Diskriminierung rechtlich sogar abgeschafft worden, so der Rechtsexperte weiter. Ein Anliegen, das auch die UN-Konvention zur Beseitigung von Frauendiskriminierung verfolgt, die die Regierung ratifiziert hat. Und dennoch leiden viele Frauen im Ostkongo weiterhin unter den alten Rollenbildern.