22.10.2015
Übersetzt von Dominik Berger

Matatus bestimmen den Alltag der meisten Kenianer. Ihre bunte Gestaltung steht stellvertretend für die kenianische Jugendkultur. Die meisten Fahrgäste erfahren jedoch nie, wer sich um die Verzierung ihres Busses verdient gemacht hat. Höchste Zeit also, mit einem der Künstler über seine Arbeit zu sprechen.

In einer seiner kurzen Arbeitspausen treffe ich Peter alias ‚Nyash’ in einer Autowerkstatt in einem Industriegebiet von Nairobi. Er arbeitet gerade an zwei Matatus und erzählt, was er von der Aufhebung des Matatu-Verbots hält.

 

JournAfrica!: Hallo Peter! Warum erzählst du uns nicht ein wenig über dich und über deinen Hintergrund?

Peter: Mein Name ist Peter Kanyallu und mein Künstlername ist Nyash. Meine Firma heißt Nyash Customs, und ich mache Graffitis für Fahrzeuge. Ich bin im Osten Kenias aufgewachsen. Und auch wenn ich mittlerweile im ganzen Land tätig bin, ist meine Basis immer noch dort.

Matatu Kenia
Matatus zu gestalten ist mehr als filigrane Graffitis. Erst wird geflext...   

Was bedeutet das, dass du in ganz Kenia arbeitest?

Üblicherweise sind die meisten Busse in unterschiedlichen Werkstätten abgestellt, wie ihr sehen könnt. Deshalb ist es sinnvoller, alle Wägen an ihrem Stellplatz zu personalisieren, anstatt sie zu mir karren zu lassen. Meine eigene Werkstatt ist im Viertel Komarock im Osten der Stadt. Dort habe ich ein paar Angestellte. Sie arbeiten für mich, wenn ich unterwegs bin.

Matatu Kenia
... und dann geschweißt...

Wie hast du Matatugraffitis für dich entdeckt? Und wo hast du die Kunst erlernt?

Ich habe bereits als Teenager damit angefangen. Anfangs waren es nur kleine Aufkleber in den Bussen, aber dann kamen auch äußere Bemalungen dazu. Und so hat sich meine Kunst weiterentwickelt. Zuerst war das oft nicht einfach, da viele Menschen Graffiti nicht verstanden haben und sie einige Zeit brauchten, um die Kunst wertschätzen zu können. In Kenia haben wir keine Schulen, die solche Dinge unterrichten. Also musste ich mein Talent selbst entwickeln und von denjenigen lernen, die bereits vor mir in dieser Branche tätig waren. Künstler wie Charles, Jeff oder Smasher - alles Pioniere der Graffitikunst - haben uns sozusagen unterrichtet. Sie brachten uns bei, wie man mit Pinseln arbeitet. Später zeigten sie uns auch andere Techniken wie Airbrush und Kompressoren, die unsere Arbeit erleichtern. Auch Google war für uns oft ein Tor zu Inspirationen.

Matatu Kenia
... und nochmal geschweißt.

Die kenianische Regierung hat Matatugraffitis erst vor Kurzem wieder legalisiert. Wie hat das Verbot deine Arbeit beeinflusst? Und wie läuft das Geschäft jetzt?

Das Verbot hat mich nicht schwer getroffen, denn was ich mache, ist mein Talent. Menschen mit einem Talent müssen immer kreativ sein und vorausdenken können. Als das Verbot verhängt wurde, verlagerte ich meinen Schwerpunkt auf Brandings und habe Firmenautos und Privatautos mit Markenzeichen versehen. In dieser Zeit gab es auch einen Trend namens ‚Matatu Sacco’: Viele Autobesitzer wollten ihre Fahrzeuge verzieren. So ging meine Arbeit trotz des Verbotes weiter. Ein großes Problem war für uns allerdings die geringere Auftragslage. Es war unmöglich mehr als ein bis zwei Aufträge pro Woche zu bekommen.

Jetzt wo das Verbot wieder aufgehoben wurde, habe ich auch wieder mehr Aufträge. Matatugraffitis sind wieder sehr gefragt: Ich bekomme jeden Tag Anrufe von vier oder gar fünf Werkstätten, in denen jeweils drei bis vier Matatus auf mich warten.

Ich begrüße übrigens auch die neuen Regeln, die aufgestellt wurden. Jetzt gibt es Richtlinien, die profane oder vulgäre Äußerungen verbieten. So sind wir dazu angeregt, positive Nachrichten zu übermitteln. Das tut der Industrie gut. Früher konnte man machen, was man wollte, auch wenn es beleidigend war.

Kenia, Airbrush, Graffiti
So wird der Airbrush befüllt.

Wie finden dich deine Kunden?

Den meisten Kunden werde ich weiterempfohlen. Wenn jemand meine Arbeit sieht, fragt er üblicherweise, wer dahintersteckt - und so habe ich meinen Kundenstock aufgebaut.

Matatu Kenia
Eine gute Vorlage ist schon die halbe Miete. Der Künstler gestaltet sie gemeinsam mit seinen Kunden.

Was ist dein berühmtestes Werk?

Wenn ich male, bin ich eigentlich nicht auf Ruhm oder Beliebtheit aus. Ich konzentriere mich darauf, ein Fahrzeug so gut aussehen zu lassen, so dass sich für meinen Kunden die Investition gelohnt hat. Allerdings habe ich einige beliebte Matatus gemacht, die inzwischen auf sämtlichen kenianischen Hauptrouten unterwegs sind, wie zum Beispiel Ecstasy, Carter III und Zawadi. Mich motiviert, dass ich mit guten Arbeiten zur Verbreitung meiner Kunst beitragen kann und ich andererseits dabei ganz gut Geld verdiene.

Matatu Kenia
Es kann losgehen - aber hochkonzentriert.

Wie siehst du deine Zukunft als Graffitikünstler?

Ich will vermeiden, mein ganzes Leben immer die gleiche Arbeit zu machen. Als ich mit meiner Arbeit begonnen habe, habe ich mir Ziele gesetzt. Ich bin mir sicher, sie in den nächsten drei bis maximal fünf Jahren erreicht zu haben - und dann ziehe ich mich aus dem Geschäft zurück. Zum Beispiel möchte ich diese Arbeit nicht ewig machen, weil sie sehr gesundheitsschädlich ist. Die Farben, die wir verwenden, sind sehr giftig, und wir atmen sie ständig ein. Natürlich gibt es auch Kollegen, die ihr ganzes Leben lang diese Arbeit machen. Ich kann also nicht sagen, es gäbe nicht die Möglichkeit dazu. Aber ich habe größere Träume und werde ich mich irgendwann sicher wieder anderen Dingen widmen. 

 

Lesen Sie auch Teil 1 unserer Mini-Serie über Matatu-Kunst in Kenia: Die Rückkehr der Matatu-Graffitis.