29.09.2015
Übersetzt von Elisabeth Simonson

Noch vor zehn Jahren hatte das Königreich im südlichen Afrika keine Hip-Hop-Szene. Damals gab es nur wenige Künstler, deren Songs und Videos im Radio und Fernsehen ausgestrahlt wurden – sozusagen die Pioniere des Swasi-Hip-Hop.

Ihre Musik war etwas unbeholfen: die Beats und Darbietungen waren schwach, und ihre Konzepte kopierten die Künstler von ihren US-amerikanischen und südafrikanischen Vorbildern. Ein Großteil der Künstler ging sogar so weit, auf Zulu zu rappen - einer Sprache, die die südafrikanische Musik dominiert. Heute hat sich das geändert: Die Swasi-Rapper verwenden immer häufiger ihre eigenen Sprachen. Künstler wie QibhoIntalektual, Dungavee und Mr. Kangaroo haben damit wachsenden Erfolg.

Internet wie in den 90ern

Bis es soweit kommen konnte, hatten viele Künstler in Swasiland einige Hürden zu überwinden. Das Land ist technologisch nicht gerade fortgeschritten: Breitband-Internet ist noch immer ein Luxus. Die steigenden Internetkosten haben der digitalen Verbreitung der Swasi-Musikindustrie große Steine in den Weg gelegt. Ein Normalbürger kann sich den täglichen Zugriff auf Streaming-Websites nicht leisten. Und die Mehrheit der Künstler kann Seiten wie SoundCloud, Bandcamp oder YouTube gar nicht erst nutzen, um ihre Musik zu verbreiten. Der Telekommunikations-Riese MTN genießt das absolute Monopol im Land und diktiert die Preise. Der Rapper und Produzent Mozaik wetterte erst vor kurzem gegen die Preispolitik des Unternehmens: "Es wäre ein Zeichen, wenn MTN die Gebühren zugunsten von lokalen Künstlern senken würde. Viele Leute wollen unsere Musik hören. Und auch für uns wäre das wirklich motivierend“, sagte er der Zeitung The Swazi Observer.

Der Künstler Psycho Lution
Der Künstler Psycho Lution

Radio statt Soundcloud

Künstler in Swasiland verlassen sich deswegen bisher auf das Radio, damit ihre Musik Gehör findet. Einige Radiomoderatoren, darunter die Topmoderatoren von The Swazi Rhythm, arbeiten daran den Swasi-Hip-Hop zu verbreiten. Aber selbst wenn der Song eines Rappers gespielt wird, bekommt der Künstler kein Honorar. Einheimischer Hip-Hop hat also kaum keine Chance.

 

 

Der Sender SBIS ist die einzige große Radiostation des Landes. Live-Auftritte während der Sendezeit drehen sich in Swasiland vorrangig um Publicity. „Unser einziger Sender in Swasiland ist staatlich finanziert“, schreibt DJ Tizalami in The Swazi Observer. „Er hat keine kommerzielle Möglichkeit, sich selbst zu erhalten, abgesehen von gelegentlichem Einkommen durch Werbung. Daher sind Honorare für Live-Auftritte zwar ein angestrebtes Ziel, aber im Moment für den Sender nicht machbar.“ Außerdem nehmen die Künstler in den meisten Fällen nichts ein, weil die rechtliche Grundlage fehlt. So ist es einfach gang und gäbe, dass ihre Songs kostenfrei in Werbespots verwendet werden. Musik wird nicht als Service anerkannt, für den man Geld bezahlen will.

 

Endlich der Durchbruch

In letzter Zeit gab es allen Hürden zum Trotz große Fortschritte in Swasilands Hip-Hop-Szene. Das Publikum begeistert sich zunehmend für lokale Rapper. Die Swasi-Künstler haben angefangen, als Headliner von gut besuchten Konzerten aufzutreten und mit den beliebtesten Künstlern Südafrikas die Bühne zu teilen. Das jährliche „Hipnotik-Festival“, ein überregional bekanntes Musikfestival, bietet die wahrscheinlich größte Plattform für die aufstrebende Hip-Hop-Szene des Landes. Manche Künstler hatten sogar die Gelegenheit, zum Geburtstag des Königs aufzutreten – eine Möglichkeit, die sonst nur den „reifen“ und „seriösen“ Musikgenres vorbehalten war. Hip-Hop wird also zunehmend ernst genommen.

 

 

Trotz der harten Arbeitsbedingungen in einer wenig entwickelten Musikbranche, in einem Land, das mit sich selbst zu kämpfen hat – ob nun mit den Turbulenzen in der Politik, Hungersnöten, Dürren, HIV oder Arbeitslosigkeit – eine Handvoll Swasi-Rapper sind trotz allem bereit für die Weltbühne.

Die vielversprechendsten Künstler stellen wir in ausführlichen Porträts auf JournAfrica! vor. Im Teil 2 unserer Reihe: "Jazz P -  Die Queen des Swazi-Hip-Hops". 

 

 

Erstveröffentlichung: The Rise Of Swaziland’s Hip-Hop Scene