16.09.2015
Übersetzt von Kira Hinze

Für Jean-Damascène Mwenerukundo bedeutet Gassi gehen viel mehr, als bloß große Hunde an der Leine zu halten und sich durch die Straßen von Ruandas Hauptstadt Kigali zerren zu lassen. Er verdient seinen Lebensunterhalt damit - und das ziemlich erfolgreich. Der Dreißigjährige leitet die ‚DTRGES Company’ und widmet sich mit seinem Unternehmen dem professionellen Hundetraining. Seine Leidenschaft für Hunde brachte ihn auf diese Idee. Nach einer Ausbildung in Nairobi (Kenia) entschied er sich dafür, in seiner Heimat eine Hundeschule zu gründen. Das war im Mai letzten Jahres. Mittlerweile trainiert Mwenerukundo jeden Monat über 30 Hunde.

Bereits davor erhielt Mwenerukundo Anfragen von Hundebesitzern, die ihn darum baten, mit ihren Hunden auszugehen. „Hunde müssen sich bewegen, um gesund zu bleiben. Aber viele Hundebesitzer haben nicht die Zeit, um regelmäßig Gassi zu gehen. Deshalb wenden sie sich an uns,” berichtet der Hundetrainer. Zusammen mit seinem vierköpfigen Team sorgt Mwenerukundo täglich dafür, dass die Tiere sich ausreichend bewegen und mit anderen Hunden in Kontakt kommen können. Außerdem bringt er ihnen die nötigen „Manieren“ bei.

Hunde und Ruanda: ein schwieriges Verhältnis

Am Anfang der Selbstständigkeit hatte Mwenerukundo Schwierigkeiten seine Geschäftsidee zu verkaufen. Die Leute verstanden nicht, worum es ihm geht. „Wenn potentielle Kunden zum ersten Mal zu uns kommen, sind sie oftmals ganz verzweifelt, weil sie ihren Hund nicht unter Kontrolle kriegen. Sie sind oft nah dran, den Hund wegzugeben. Aber nach einigem Training bei uns sind die Hunde sehr gut erzogen und händelbar,“ erklärt der Jungunternehmer.

Jean-Damascène Mwenerukundo geht mit den Hunden seiner Kunden spazieren.
Jean-Damascène Mwenerukundo geht mit den Hunden seiner Kunden spazieren.

Erschwerend hinzu kommt jedoch, dass die Ruander aus historischen Gründen kein gutes Verhältnis zu Hunden haben. Während des Völkermordes 1994 wurden Hunde von Milizen eingesetzt, um fliehende Tutsis zu verfolgen. Die Tiere spürten ihre Verstecke tief in den Wäldern auf. Viele Ruander haben damals bittere Erfahrungen gemacht und noch immer fürchten sich viele Tutsis vor Hunden.

Deshalb ist es auch nicht immer so einfach, einen Hund auf der Straße auszuführen, wie es zunächst scheint. Hunde werden gleichermaßen verabscheut und gefürchtet. Die Hundetrainer von Mwenerukundo wissen damit mittlerweile umzugehen. Sie müssen fit und natürlich für das Training ausgebildet sein, um die Hunde durch die stark bevölkerten Straßen von Kigali zu führen.

Beim Spielen mit den Hunden
Beim Spielen mit den Hunden

Nicht jeder Hundebesitzer versteht seinen Hund

Für neue Aufträge sorgen mittlerweile die vielen zufriedenen Kunden, die Mwenerukundo und sein Team weiterempfehlen. Ein Training kostet 60.000 RWF (ca. 75 €, Anmerkung der Red.) pro Monat und Hund. Dafür bringen die Hundetrainer den Tieren die grundlegenden Kommandos wie ‚Komm’, ,Halt‘ und ,Bleib‘ bei und trainieren sie an der Leine zu gehen. „Gassi gehen ist kein Sport, wie einige Leute meinen. Wenn der Hund das erst einmal gelernt hat, tut er nichts, was sein Herrchen nicht will.“

Mwenerukundo und sein Team werden manchmal auch zu Hilfe gerufen, um aggressive Hunde zu zähmen. „Normalerweise trainieren wir einen Hund über drei Monate hinweg. Einige Hunde sind allerdings so schwierig, dass sie auch nach drei Monaten nichts gelernt haben“. In solchen Fällen liege die Hürde aber auch oft bei den Besitzern, findet Mwenerukundo. Viele glauben nicht daran, dass ein Tier in der Lage ist, etwas zu lernen.

Die fünf professionellen Hundetrainer halten Hunde für vertrauenswürdige Geschöpfe. Deshalb sind sie mit ihrem Job auch so zufrieden. „Wir haben klein angefangen, aber jetzt sind wir stolz auf das, was wir erreicht haben“, bestätigt auch Kollege Daniel Bazigaga. „Die Leute erkennen unsere Arbeit an und ihre Einstellung gegenüber den Hunden verändert sich.“

 

In Kooperation mit The New Times Rwanda

Erstveröffentlichung: Walking dogs for a living