30.11.2014
Übersetzt von Grégoire Pignède

Auf den ersten Blick glaubt man, Patrick (Name von der Redaktion geändert) sei eine Frau - zumindest fast. Sein Gesicht, sein Lächeln, seine Frisur, seine Auftreten, seine Stimme: Man kommt nicht um den Gedanken herum, dass man einer jungen Frau gegenüber steht.

Nicht wie die anderen Jungs

Bereits seit seiner Schulzeit ist sich Patrick (29) bewusst, dass er schwul ist. „Ich fand Jungs einfach anziehender als Mädchen.” Doch wahrhaben wollte er es nicht. Er begann dagegen anzukämpfen. Es belastete ihn, dass er nicht so war wie die Anderen.

Am Ende half alles nichts: „Es war einfach hoffnungslos, und so musste ich mir letztlich eingestehen: Ich bin so wie ich bin.” Er habe nie mit einer Frau geschlafen, denn Befriedigung finde er ausschließlich bei Männern. „Ich bin ein Mann, der andere Männer liebt, ein Schwuler, und ich bin stolz darauf”, so Patrick.

Ein Mensch wie jeder andere auch

Seinen Eltern gegenüber war kein Coming-Out nötig. Alleine durch seine Körperhaltung ahnten sie es bereits. „Mein Äußeres verrät angeblich einiges”, meint er dazu und lacht. „Ich sehe einfach ein bisschen weiblich aus.” Als sie ihn schließlich darauf ansprachen, empfand er keine Scham. Er nickte bloß und sagte: Ja, ich bin schwul.

Die Beziehung zu seinen Eltern habe sich dadurch eigentlich nicht verändert. Mittlerweile weiß seine ganze Familie von seiner Homosexualität, auch die meisten seiner Freunde. Und spricht man ihn auf der Straße zufällig darauf an, antwortet er ganz offen und ungeniert - „ob es einem gefällt oder nicht”. Homosexuelle seien eben Menschen wie alle anderen auch. Patrick wünscht sich eine Welt, in der man seinen Nächsten nicht dafür verantwortlich macht, wie Gott ihn geschaffen hat.

Ein schwieriger und riskanter Kampf

Sexuelle Freiheit existiert in Burundi kaum. Und die Elite des Landes scheint zu einem Umdenken nicht bereit. Aus diesem Grund setzt sich Patrick für die Rechte alternativer Sexualitäten in Burundi ein. Er arbeitet in einer Privatorganisation, die Aufklärungsarbeit betreibt, und bei einer Notruf-Hotline für Schutzsuchende.

Seine Hoffnung setzt Patrick in die Zivilgesellschaft. Er möchte in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es mehr Homosexuelle gibt als allgemein angenommen. „Menschen mit alternativer Sexualität gibt es in allen Milieus der Gesellschaft. Unter den Intellektuellen wie unter bildungsfernen Kreisen, in der Land- wie in der Stadtbevölkerung.”

Dieser Kampf steht vor einer großen Hürde: dem Gesetz. Im Strafgesetzbuch Burundis lautet es: „Wer eine sexuelle Beziehung mit einer Person des gleichen Geschlechts eingeht, wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zwei Jahren und einer Geldstrafe von 50.000 bis 100.000 Burundischen Francs [26 bis 51 Euro, Anm. d. Red.] bestraft.” Patrick wünscht sich, dass dieser Paragraph einfach verschwindet.

Erstveröffentlichung: Waza Online