26.05.2016
Übersetzt von Anne Fleischmann

Afrika und Satire – passt das zusammen? In den landläufigen Darstellungen des Kontinents fehlt es zumeist an vergnügten Menschen, an humorvollen Pointen oder spitzfindiger Ironie. Dabei gibt es in vielen Ländern Afrikas eine lange satirische Tradition. Und auch aktuelle Beispiele zeigen: es gibt spritzige und witzige Satire zuhauf.

Der Kenianer Godfrey Mwampembwa, besser bekannt als Gado, ist sicherlich einer der bekanntesten unter ihnen. Seine treffenden Karikaturen haben weltweit Erfolg – und führen für den Künstler selbst mitunter zu Problemen.Das zeigt einmal mehr: Satire und Meinungsfreiheit sind untrennbar miteinander verknüpft.

Auch die Zambezi News aus Simbabwe kennen Einschränkungen in der Presselandschaft nur zu gut. Sie nutzen die sozialen Medien, um ihr hauptsächlich junges Publikum zu erreichen – mit riesigem Erfolg.

Mit der neuen Ausgabe ihres Magazins„Perspectives“  hat auch die Heinrich-Böll-Stiftung eine empfehlenswerte und differenzierte Publikation zum Thema:

„Durch Satire ändert sich zwar vielleicht nicht die große Politik, aber – und das belegen die meisten Beiträge in dieser Ausgabe – sie ist ein mächtiges Mittel, um Propaganda und Machtmissbrauch bloßzustellen und kulturelle wie gesellschaftliche Tabus zu verhöhnen.“(Perspectives 02/2016)

Das Team der Zambezi News will mit seinen Produktionen auf die politischen Missstände in Simbabwe aufmerksam machen und parodiert das strenge Regime der Regierung. Die zenziert die Medien im Land. Samm Farari Monro, Leslie Tongai Makawa und Michael Kudakwashe veröffentlichen ihre Satire-Show deshalb im Internet. Vor allem der Jugend wollen die Künstler mit ihrer Arbeit neue Perspektiven ermöglichen.

 

JournAfrica!: Warum habt ihr euch gerade Satire als Instrument ausgesucht?

Tongai: Wir leben in einem Staat, in dem die Jugend immer mehr Nachrichten bekommen hat, die einen deprimieren. Gleichzeitig hat die Stimme der jungen Leute in den Medien gefehlt. Wenn wir wollen, dass sich die Jugend wieder mehr politisch engagiert, müssen wir Kommunikationswege nutzen, zu denen sie einen Bezug haben. Also verwenden wir soziale Medien, um Zambezi News zu verbreiten und Satire, um unsere Message zu transportieren. Wir dachten einfach, das wäre der erfolgreichste Weg, die Jugend mit Themen zusammen zu bringen, die uns schon lange beschäftigen.

 

Würdet ihr sagen, dass es das Leben einfacher macht, wenn man über mögliche Probleme lachen kann?

Tongai: Es hilft gegen die Depression (lacht).

Michael: Wenn du über deine Probleme lachst, kannst du sie auch in einem anderen Licht betrachten. Oft sind die Probleme dann gar nicht so groß, wie du vielleicht dachtest oder die Regierung sie aussehen lässt. Satire bringt Licht. Wir beleuchten Probleme, so dass die Leute keine Angst mehr vor ihnen zu haben brauchen, dass sie darüber reden und sich Kopf voraus mit ihnen auseinander setzen, anstatt die Situation einfach hinzunehmen.

Satire und Comedy sind ein großartiger Weg, Menschen zur gleichen Zeit zum Lachen und zum Nachdenken zu bewegen.

Also ist euer Ziel nicht, die Situation zu verändern, sondern Leute nur darauf aufmerksam zu machen?

Samm: Nein, wir wollen die politische Situation definitiv ändern. Aber zuallererst muss man das Problem entmystifizieren, den Leuten die Angst nehmen, sie damit konfrontieren - egal ob es sich jetzt um Wahlen, Meinungsfreiheit oder Korruption handelt. Du bekämpfst die Angst davor, in Probleme verwickelt zu werden. Satire und Comedy sind ein großartiger Weg, Menschen zur gleichen Zeit zum Lachen und zum Nachdenken zu bewegen.

 

Gibt es Dinge, über die ihr nicht scherzt?

Samm: Persönlich glaube ich, dass es schon einige Dinge gibt, über die man nicht scherzen kann. Zum Beispiel sexuelle Gewalt oder ähnliche Themen, die keine humorvolle Seite haben. Aber wenn es um Politik oder Rasse oder Sexismus geht – das sind auch Tabuthemen, die aber auseinander genommen werden müssen.

Samm Farari Monro
Das Team der Zambezi News präsentiert die Nachrichten 

Die Situation der Pressefreiheit in Simbabwe ist ziemlich schlecht. Welche Herausforderungen stellen sich euch?

Samm: Wir sind eine sehr regulierte und unterdrückte Gesellschaft. Genaugenommen müssten wir uns mit Zambezi News bei der Medienkommission registrieren. Aber dann sollen wir uns auch bei der Zensurbehörde anmelden. Und wenn wir eine neue Staffel rausbringen, kommt die Polizei und fragt uns, ob wir die Erlaubnis dazu haben. Es gibt so viele verschiedene Wege, jemanden zu erwischen und im Grunde dazu zu bringen, ein Gesetz oder Regeln zu brechen. Wenige Menschen packen in Harare ihre Kamera aus, um zu filmen oder ein Foto zu schießen. Das ist etwas, was vor zwanzig Jahren völlig normal war . Jetzt kann es dir passieren, dass sofort jemand kommt und fragt, ob du die Erlaubnis dazu hast.

 

Ihr veröffentlicht eure Show im Internet. Würdet ihr sagen, das Internet ist eine Art freier Raum im Gegensatz zu Radio und Fernsehen, die von der Regierung kontrolliert werden?

Samm: Das Internet ist definitiv der freieste Raum für Diskussionen. Die interessantesten politischen Debatten gibt es online. Das ist auch der Grund, warum wir sehr viele unserer Inhalte über soziale Netzwerke teilen. Man erreicht die Leute dort direkt. Tatsächlich kann man ein Video hochladen, es bewerben und direkt an jemanden richten - und dann wissen, von wem und wo aus es angeschaut wurde.

 

Wie oft kommt es vor, dass ihr von der Regierung bedroht oder schikaniert werdet?

Michael: Immerhin war es bisher nicht allzu schlimm. Aber es ist schon normal, dass jede Staffel jemand zu mir kommt und über etwas reden will (lacht).

 

Und was sagen die dann?

Michael: Normalerweise 'warum arbeitest du für einen Verräter? Du verrätst dein Land, warum tust du das?' Sie beziehen sich auf Samm und sagen: 'Du arbeitest für einen weißen Mann, der dich nur benutzt und das Land zerstören will'. Oder manche der Drohungen lauten dann 'Wir wissen, wo du wohnst. Wie geht es deiner Frau?' Der letzte wusste sogar die Namen meiner Frau und meiner Kinder.

Ich mache sie nervös. Also mache ich meine Sache gut.

Aber bleibt es „nur“ bei diesen Drohungen?

Michael: Ja, es ist implizite Gewalt. Die sagen dann Sachen wie. „Wir werden uns um dich kümmern“, „Dinge könnten schlecht für dich ausgehen“, „Du könntest verschwinden oder eines deiner Familienmitglieder“. Das erste Mal hat mich das zu Tode erschreckt. Aber je öfter es vorkommt, desto nerviger wird es. Mittlerweile macht es mich wütend. Andererseits bedeutet es auch, dass wir etwas richtig machen. Von all den Menschen, die etwas in den sozialen Medien posten, bemerken sie gerade mich. Ich mache sie nervös. Also mache ich meine Sache gut. Es kotzt mich nur an, dass jemand meine Familie bedroht. Das ist wirklich unmöglich!

 

Und wie reagieren die Leute auf eure Produktionen – sind die eher positiv oder negativ?

Tongai: Wir bekommen eine Menge positive Reaktionen und auch einige negative. So sehr wir uns auch alle eine Demokratie in Simbabwe wünschen, gibt es viele Individuen, die für die Regierung sind. Und die sehen unser Programm dann als eine Art Plan, das Regime zu stürzen. Man könnte sagen, nicht jeder ist der Meinung, dass man schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen sollte.

Samm: Das Feedback, das wir bekommen, ist wirklich gut, sehr positiv. Und es ist inspirierend zu sehen, wie viele junge Menschen wir im ganzen Land erreichen. Wenn wir reisen, kommen viele Teenager zu uns und wollen Selfies machen. Aber wir erreichen auch unterschiedliche Bevölkerungsschichten. Einmal waren wir im Supermarkt, und der Mann, der deine Taschen packt, hat uns gefragt: „Lest ihr Jungs jetzt auch die Nachrichten vor?“. Oder du hast einen alten weißen Mann, der zu dir kommt und sagt, dass er auch Zambezi News schaut. Das ist wirklich cool.