30.09.2015
Übersetzt von Elisabeth Simonson

Von der Rapperin Jazz P hörte ich zum ersten Mal auf dem gleichnamigen Album des Hip-Hop-Duos „Siyinqaba“ aus dem Jahr 2010. In „Destined to Shine“ und „Wrap it up“ – den zwei Liedern, bei denen sie mitwirkte – lieferte sie ein paar herausragende Verse. Danach hörte ich sie erst im Winter 2013 wieder, auf dem berühmten Festival „Bushfire“. Sie brachte ihr eigenes Ensemble, die Band „The Next Generation“ aus Mosambik, mit auf die Bühne. Sie zog die Zuschauer in ihren Bann und hatte die ganze Zeit über dieses „Ich habe das voll im Griff“-Lächeln. Sie machte sich die Energie von Ras Skunk zunutze, einem Reggae-Künstler aus Mosambik, und lieferte ein großartige Show.

Jazz P’s Musik ist eine Mischung aus Hip-Hop, Reggae, Jazz und Soul und schafft eine angenehme, sommerliche Stimmung, die sie mit ihrer selbstsicheren und dennoch lockeren Performance abrundet. Dabei verbindet sie in ihren Lyrics mühelos ihre Muttersprache Swati mit dem Englischen. Mit ihrer positiven Ausstrahlung und ihrem Lächeln wirkt sie wie eine Person, deren innerer Frieden nicht von der Bestätigung anderer Menschen abhängt. Ihre Reinheit und innere Ruhe sind keine Fassade.

 

Das "schwarze Schaf" der Familie

Jazz P wurde als Phephile Hlophe in Simunye geboren. Ihre Heimatstadt liegt in der swasiländischen Lowveld-Region, wo hauptsächlich Zuckerrohr angebaut wird. In ihrer Familie ist sie die einzige, die sich für eine Künstlerkarriere entschieden hat. Über sich selbst sagt sie: „Ich bin das schwarze Schaf meiner Familie. Ich bin diejenige, die sie noch immer versuchen zu verstehen – eindeutig eine Künstlerin. Ich bin dazu geboren und habe einen harten Kern“. 

Jazz P
War nicht immer so selbstbewusst: Jazz P

Wenn man das so sagen darf, ist die Entscheidung eine Vollzeit-Künstlerin in Swasiland zu werden angesichts der unterentwickelten und zerbrechlichen Musikindustrie ein sehr mutiger Schritt. Das Intro ihres Albums „In My Heart“ von 2013 beschreibt Jazz P’s Gedanken zu diesen Schwierigkeiten: „Mein Lebenslauf deckt viele große und kleine Firmenveranstaltungen ab, doch bis heute habe ich keinen Cent gesehen in diesem Land, welches auf seine eigenen Künstler herabschaut und die ausländischen bevorzugt“, rappt sie mit subtilen Tönen und einer stimmhaften Bassline. Sie erzählt mit Emotion von den Irrungen und Wirrungen ihres Lebens, klingt jedoch alles andere zerbrechlich.

 

Größere Chancen in Mosambik

Für die meisten Steine, die ihr von der Musikindustrie in den Weg gelegt werden, hat sie eine Lösung parat. Eine davon war vor fünf Jahren der Umzug ins Nachbarland Mosambik. Die vielen Radio- und Fernsehstationen dort sind im Vergleich ein wahrer Luxus. „Ich fühlte mich von Swasiland musikalisch abgelehnt. Ich hatte keine feste Arbeit und war nur eine Künstlerin, die von Auftrittsgagen lebte. Und die ließen manchmal ewig auf sich warten.“

Jazz P
Die Künstlerin Jazz P während eines Live-Konzerts in Maputo.

Die ersten zehn Jahre ihrer Karriere verbrachte Jazz P in Swasiland und wurde zusammen mit Bongani „Makoya“ Bhembe und SouldierWithin Teil eines Rap-Trios. Durch ihre Übersiedlung nach Mosambik war sie „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“. Damals veranstaltete der französische Musiker und Produzent Vincent Caudry ein Benefizkonzert im „House of Fire“, wo auch das Bushfire-Festival stattfindet. Unter den Besuchern waren ein paar bekannte Musikproduzenten aus Mosambik: „Ich gehörte zu den Künstlern, die an dem Abend aufgetreten sind. Makoya und ich hatten ein paar Lieder vorbereitet“, erinnert sie sich.

Unter Anderem führte sie den Song „Oh Jah“ auf – eine Ode an die Rastafari-Gottheit Haile Selassie – welche die Produzenten aus Mosambik sehr beeindruckte. „Sie haben diesen Song geliebt”, so Jazz P. „Sie sagten, Mosambik würde mich lieben und luden mich eine Woche darauf in die Hauptstadt Maputo ein, damit ich zusammen mit Ras Haitrm, einem der berühmtesten Reggae-Künstler von Mosambik, beim Tunduru-Festival auftrat. Der Rest war ein Selbstläufer: „Mosambik empfing mich mit offenen Armen.“ 

 

Mit offenen Armen empfangen

Sie klingt zufrieden mit der Musikszene von Mosambik. Und in der Tat kommt sie dort gut an – nicht zuletzt wegen ihrer unverwechselbaren Stimme, die in der Mainstream-Musikindustrie des Landes einzigartig ist. „Hierzulande ist Hip Hop eine große Sache und wird durch den Underground Hip-Hop beeinflusst. Auch klassischer Hip-Hop bekommt eine seriöse Bühne in diesen Kreisen“, so die Künstlerin.

Jazz P
Jazz P

Sie gründete eine Band und wurde zum ersten Mal in ihrem Leben ein gefragter Act. Ihr Album "In My Heart" nahm sie auf, um „den Markt zu testen“, wie sie sagt. „Das Album öffnete Türen für mich und zog immer mehr interessierte Veranstalter und Produzenten an, bis ich eines Tages von Kongoloti Records, einem digitalen Plattenlabel, angesprochen wurde.“ Ab diesem Zeitpunkt verbreitete sich die Musik von Jazz P rasend schnell. Ihre Songs sind nun bereits in mehr als 120 Onlineshops zu finden. Mit Kongoloti Records nahmen sie auch ihr erstes Video zu ‚Oh Jah‘ zusammen mit Ras Skunk auf.

 

Ein Star im südlichen Afrika

Jazz P’s Musik begeistert Menschen in Südafrika, Swasiland, Mosambik und Simbabwe. Sie ist sowohl für den swasiländischen König Mswati III als auch für den Präsidenten von Mosambik Armando Gebuza aufgetreten – beides sind Leistungen, auf die sie stolz ist. Jazz P ist so zu einer Person des öffentlichen Lebens geworden. Man erkennt sie in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Märkten und auf den Straßen.

Jazz P
Jazz P

In Mosambik ist sie immer noch glücklich. Man sei einfach näher an dem Rest der Welt, sagt sie. „Mosambik ist sehr international. Die allgemeine Mentalität ist nicht vom Schubladendenken geprägt. Man wird nach seinen Leistungen beurteilt, nicht danach, wer deine Eltern sind.“ 

 

In einer Serie über die Hip-Hop-Szene Swazilands stellen wir die vielversprechendsten Künstler vor. Teil 1: "Diese Künstler sollten Sie kennen. Swasilands Talente vor dem Durchbruch."

 

Erstveröffentlichung: The Rise Of Swaziland’s Hip-Hop Scene