17.03.2016
Übersetzt von Julien Baudry

Moustapha Alassane war mit La Mort de Gandji (Gandjis Tod) aus dem Jahr 1965 der erste Filmproduzent in Afrika, der sich erfolgreich an einen Trickfilm gewagt hat. Ebenso kann man ihn mit Le Retour d’un Aventurier (Die Rückkehr eines Abenteurers) guten Gewissens als den Wegbereiter des afrikanischen Westerns bezeichnen. Gegen Ende seiner Karriere erklärte Alassane den Animationsfilm endgültig zu seiner filmischen Heimat. Auf die in seinen Worten „Abzocke“ der westlichen Verleiher hat er sich nie einlassen können und wollen.

 

 

JournAfrica!: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Kinos allgemein in Afrika während ihres Schaffens?

Moustapha Allassane: Es ist ziemlich viel passiert in all dieser Zeit. Es gab kleine Fortschritte. Es ist schon eine gute Sache, dass es hier im Niger nun eine Behörde gibt, die das Kino fördern will.

Sie gehören zu den Pionieren des nigrischen Films. Die 1970er waren das glorreiche Jahrzehnt für das Kino in ihrem Land. Aber seit einigen Jahrzehnten ist es von Leinwänden und Filmfestivals fast verschwunden. Wie kam es dazu?

Es ist kein Zufall, dass unser Kino von den Leinwänden verschwunden ist. Es gibt zu viele Verpflichtungen beim Verleih. Afrikaner haben darauf nur sehr wenig Einfluss. Ich für meinen Teil wollte nicht mehr mit westlichen Verleihern arbeiten, weil sie über den Filmverleih nicht offen und ehrlich reden. Sie tun immer alles, um auf den Kinostart einer unserer Filme zu warten, geben sich als Produzenten aus und dann sind sie es, die die Situation im Griff haben! Genau aus diesem Grund habe ich persönlich ganz einfach aufgehört, weiter mit diesen Leuten Filme zu machen.

Sie sind auch einer der Pioniere des Animationskinos in Afrika. Vor mehreren Jahren sind Sie nach Tahoua gezogen und produzieren von dort aus weiterhin Filme.

Genau! Zum Glück mache ich mit ein paar Animationsfilmen weiter, ansonsten wäre das eine echte Katastrophe. Schaut euch an, wie sehr die Arbeit der Regisseure erschwert wird. Wo ist das afrikanische Kino heute präsent? Nirgendwo! Der Verleih wirft kaum etwas ab. Es kommt sogar vor, dass Produzenten wirklich alles verlieren!

Sie haben Animationsfilme gedreht, aber das nigrische Publikum sieht diese Filme kaum. Wo zeigen Sie sie?

So einfach ist es nicht. Viele Nigrer haben meine Filme gesehen. Sie kennen sie durchs nationale Fernsehen. Aber das ist keine Lösung. Wir wünschen uns für unsere Filme, dass sie im internationalen Fernsehen laufen. Und zwar nicht in französischen Fernsehsendern, sondern in afrikanischen. Afrikanische Staaten müssen ihren Fernsehsendern die nötigen Mittel verschaffen, damit die Fernsehsender diese Filme kaufen können.

Wie viele Animationsfilme haben Sie gedreht?

Oh! Um die zwanzig, vielleicht sogar ein bisschen mehr.

Machen Sie mit dem Drehen dieser Filme weiter?

Ja, selbstverständlich.

Und mit welcher Technik? Wie gehen Sie für diese Arbeit vor?

Früher arbeitete ich mit klassischem Drehmaterial, aber auch ich habe mich entwickelt (lacht). Die Systeme, mit denen wir heutzutage ausgestattet sind, sind sehr zuverlässig, Sie erleichtern die Arbeit enorm. Aber wie gesagt, letztlich endet es in einer Sackgasse. Wenn meine Filme beispielsweise im nationalen Fernsehen gezeigt werden, was bleibt mir dann übrig? Ein Pfennigbetrag!

Verkaufen Sie sie ins Ausland?

Manchmal verkaufe ich sie ins Ausland. Aber was du Ausland nennst, bedeutet für uns immer noch mit den gleichen Verleiher zusammenzuarbeiten. Sie nehmen unsere Filme und verkaufen sie an Fernsehsender weiter. Diese Leute verdienen viel mehr als wir Filmproduzenten. So kann es nicht weitergehen.

Sie sind älter geworden. Haben Sie Ihren Filmnachwuchs gesichert?

Das mit dem Nachwuchs ergibt sich von sich selbst. Wenn ein Kind sich wünscht, das zu machen, was ich mache, befindet es sich hier in dem richtigen Umfeld. Es gibt die Technik und viele praktische Ratschläge. Das ist schon von großem Vorteil.

Haben Sie Nachwuchs für diese Berufe ausgebildet?

Um mich herum ist eine ganze Schule für Animationsfilme! Die Kinder sehen mich beim Arbeiten und sie tun quasi das Gleiche. Ich glaube, dass es der natürlichste Weg ist, damit ein Kind darauf Lust bekommt.

Welchen Rat würden Sie jungen nigrischen Regisseuren heute geben?

Im westafrikanischen Kino passiert gerade sehr viel, sei es in Burkina Faso, in Mali, im Senegal oder in der Elfenbeinküste. Ich glaube, es ist eine gute Sache, wenn es so weiter geht. Hierzulande müssen sich die jungen Leute dafür stark machen, dass sich die Bedingungen verbessern. Es geht einfach nicht an, dass sich die Fernsehsender Afrikas weigern, mit afrikanischen Regisseuren zu arbeiten. So kann es nicht funktionieren! Es muss eine öffentliche Filmförderung her, die die Filmproduktion ermöglicht. Wenn ich einen Film drehe und mich dann doch wieder von westlichen Verleihern über den Tisch ziehen lassen muss, dann kann das keine Lösung sein.