14.06.2016
Übersetzt von Uta Stareprawo

Die alten, natürlichen Zypressenhecken, die früher die Behausungen in Butembo umgaben, sind nicht mehr erwünscht. Heute will jeder in der ostkongolesischen Stadt ein Haus aus Ziegelsteinen, geschützt durch eine Mauer.

Vor zehn Jahren war die Umgebung um die etwa 700 000 Einwohner zählende Stadt komplett bewaldet. Heute sind davon nur noch eine Handvoll kleiner Waldflächen übrig geblieben. Die Bewohner haben die Bäume abgeholzt, um an Feuerholz zu gelangen, mit denen sie die begehrten Lehmziegel brennen.

Butembo ist eine der größten Städte der Provinz Nord-Kivu im Osten der demokratischen Republik Kongo. An die Weltöffentlichkeit dringen aus der Region meist nur Nachrichten über einen Konflikt zwischen Regierungstruppen und verschiedenen Rebellengruppen, der seit Jahrzehnten brodelt. Die Stadt Butembo hingegen erlebt einen Wirtschaftsaufschwung. Zwar schaffen die Ziegelbrennereien Arbeitsplätze. Der Abbau der Rohstoffe, auf dem das Geschäft beruht, schadet der Umwelt jedoch massiv.

In der ganzen Stadt sprießen Brennereien aus dem Boden, in denen die Ziegel hergestellt und gelagert werden. Die hohen Öfen brauchen große Mengen an Feuerholz. Um die Lehmziegel zu brennen, müssen die Öfen zwei oder drei Tage am Laufen gehalten werden, erklärt Muhindo Varondi, der selbst einen Ofen betreibt. „Um 22.000 Ziegel herzustellen, benötigt man 20 Kubikmeter Holz“. [Anm. d. Red.: Das entspricht etwa dem Volumen eines Gartenpavillons]. Allein in Kambali, dem Stadtviertel, in dem Varondi arbeitet, stehen mehr als 20 Ziegelbrennöfen, die die Luft mit ihrem Qualm belasten.

Wirtschaftswachstum in der Krisenregion

Die Betreiber der Öfen kaufen große Mengen Holz oder schlagen sie selbst in den Wäldern rund um die Stadt. Wo schon vorher Holzkohle zum Kochen hergestellt wurde, beschleunigt der Bauboom die Abholzung zusehends. Das Holz wird knapp und teurer. Doch die boomende Immobilienbranche lässt die Nachfrage weiter steigen. Die Betreiber der Ziegelbrennereien haben sich bereits zu einem Verband zusammengeschlossen. Mehr als 4.000 junge Menschen gehören der sogenannten „Solidarité des presseurs des briques au Congo“ inzwischen an.

Entwaldung mag nach einem lokalen Problem aussehen. Doch es hat globale Folgen. Bäume schützen den Boden vor der Erwärmung und wandeln das klimaschädliche Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff um. Werden Bäume nicht nur gefällt, sondern auch noch verbrannt, wird  Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre freigesetzt. Theoretisch könnte Holz sogar klimaneutral verheizt werden – vorausgesetzt, jeder gefällte und verbrannte Baum würde durch einen neuen ersetzt.  

Entwaldung fördert Erderwärmung

Deshalb dürfen die Wälder auch rund um Butembo nicht nach Belieben gerodet werden. Die Grundbesitzer der Waldflächen müssen sich mit dem Umweltamt abstimmen, wie viel Holz sie fällen. Eine Vorschrift, die jedoch kaum eingehalten wird. „Die Waldbesitzer ignorieren, dass die Bäume als Windschutz dienen, der die Stadt schützt“, bedauert Cyprien Mulondi, Bürgermeister des Bezirks Vulamba. In lokalen Radiosendern versuchen Umweltschützer über das Problem aufzuklären.

„Auch wenn einem der Baum gehört, darf man ihn nicht ohne Rücksprache mit der zuständigen Stelle fällen“, sagt Eduije Kavira, Inspektorin für Versorgungsdienste im städtischen Umweltamt von Butembo. Sie verweist auf die Vorschriften: Erst muss die Genehmigung des Amtes eingeholt und eine Abgabe von einem Dollar bezahlt werden. Außerdem darf ein Baum nur gefällt werden, wenn ein neuer nachgepflanzt wird. Allerdings ist die Behörde derzeit die einzige in der Region, die Gebühren für das Fällen von Bäumen erhebt.

Die Ziegelbrennereien schaffen ein weiteres Umweltproblem. Neben dem Holz sind benötige die Brennereien große Mengen Lehm, aus dem die Ziegel geformt werden. Dazu werden große Gruben ausgehoben. „Die Ziegelbrenner graben überall und achten nicht darauf, die offenen Erdlöcher wieder aufzufüllen“, sagt Wasingya Matumaini, die Umweltmanagement studiert. „So entstehen Erosionsherde, die auf angrenzende Grundstücke übergreifen“.

Gefährliche Lehmgruben

Ihr Professor Muhindo Sahani hat über den Zusammenhang von Klimaeinflüssen und natürlichen Risiken in der Region Butembo geforscht. Elf der 16 von ihm untersuchten Erosionsherde in der Region lassen sich auf Gruben zurückführen, in denen Lehm abgebaut wurde. Die Bewohner der Grundstücke verwenden die Löcher anschließend als Müllhalden. Wasserpfützen bilden sich in den Gruben. Sie bieten eine ideale Brutstätte für Moskitos, die Malaria übertragen.

Die Bergbau- und Umweltämter erheben auch Abgaben für den Lehmabbau und die Luftverschmutzung. „Das sind jedoch unbedeutende Summen“, präzisiert Janvier Talya, Leiter des städtischen Amtes für Bergbau und Geologie. Denn die Profite aus dem Geschäft mit dem Brennen von Lehmziegeln seien um ein Vielfaches höher. Der Umweltexperte ist sich sicher, dass aufgrund des schnellen Wachstums der Stadt mehr unternommen werden müsse, um die Branche zu regulieren.