10.12.2015
Übersetzt von Elisabeth Simonson

Der Mensch hat Grenzen gezogen, um sich Probleme vom Leibe zu halten. Doch diese Rechnung hat er ohne die Natur gemacht. Jede Aktion auf der einen Seite der Grenze hat weitreichende Auswirkungen auf der anderen. So sind gerade die Länder, die am wenigsten Umweltverschmutzungen und Klimawandel zu verantworten haben, auch diejenigen, die zuerst seine Folgen zu spüren kommen.

Dem Gefahrenindex der britischen Agentur Maplecroft zufolge sind sechs der zehn am stärksten vom Klimawandel gefährdeten Länder in Afrika – Länder also, bei denen sich die Auswirkungen von Unwetter, Überschwemmungen, Dürren und dem Anstieg des Meeresspiegels am schnellsten und am deutlichsten zeigen werden.

Der Senegal befindet sich in dieser Liste auf Platz 14. Dort ist der Anstieg des Meeresspiegels in einigen Küstenstädten bereits jetzt deutlich zu spüren – besonders in der Regenzeit. Vor einigen Jahren schon hat das Meerwasser zum Beispiel einen Friedhof der Stadt Rufisque unweit von Dakar zerstört. Die Bevölkerung war dem hilflos ausgesetzt. Der Anstieg des Wasserpegels hat auch Folgen für Fischerei und Tourismus im Senegal. Diese Wirtschaftssektoren erzielen ihr Einkommen vor allem entlang der Küstenlinie, die vom Meer immer weiter zurückgedrängt wird.

Jenseits solcher negativer wirtschaftlicher Entwicklungen dürfen auch Gesundheitsrisiken nicht außer Acht gelassen werden: Die Erderwärmung bietet fruchtbaren Boden für Malaria übertragende Mücken. Besonders in tropischen Ländern werden sich diese weiter vermehren. Laut Madeleine Diouf Sarr, der Koordinatorin des ‘National Adaption Plan for Action‘ (NAPA) für den Senegal, wird die Temperatur des Landes in den nächsten 15 Jahren um drei Grad ansteigen.

 

 

Die externen Ursachen dieses Phänomens sind längst bekannt: hauptsächlich der übermäßige CO₂-Ausstoß von Industrieländern. Doch auch im Senegal selbst gibt es Faktoren, die den Klimawandel begünstigen. Die übermäßige Abholzung und ihre Folgen für die Umwelt zeichnen eine düstere Aussicht für die Senegalesen.

Ute Bocandé, eine in Thiès (70km östlich von Dakar) lebende Deutsche, veröffentlichte vor zwei Jahren einen Artikel über die Ausrottung der Affenbrotbäume in ihrer Stadt. „Zerstörung, wo man auch hinschaut. Die Affenbrotbäume waren jahrhundertelang stille Zeugen der Ausdehnung von Thiès – nun liegen sie auf der Erde und werden von Planierraupen vernichtet. Früher lud man der Tradition folgend einen Priester ein, bevor man einen Affenbrotbaum abholzen wollte, damit er bestimmte Rituale vollziehen konnte. Man glaubte, dass Affenbrotbäume Geister und Dschinne (übersinnliche Wesen im Islam, Anmerk. der Red.) beherbergten. Dieser Glaube schützte auch die Natur. Doch nun heißt es: Planierraupe drauf, zack und ab ist der Affenbrotbaum“, so Ute Bocandé. Solche Praktiken verschlimmern die Bodenerosion im Senegal und treiben die Desertifikation immer weiter voran. Auch die voranschreitende Urbanisierung besonders in der Hauptstadt Dakar drängt die Natur im Senegal immer weiter zurück.

Lässt sich mit diesem Wissen um die Ursachen des Klimawandel einen Übergang zur nachhaltigen Energieversorgung umsetzen? Die Risiken des übermäßigen CO₂-Ausstoßes sind bekannt, aber die Entscheidung für eine „grüne Wende“ gestaltet sich problematisch – auch im Senegal.

Der Senegal verfügt eigentlich über ein vielversprechendes Potential: Im überwiegenden Teil des Jahres scheint die Sonne, was sich sehr gut für Solaranlagen eignen würde. Auch die Windenergie könnte man in Erwägung ziehen, wenn man bedenkt, dass die hiesigen Winde konstant und regelmäßig wehen. Doch auch wenn die Politik gewillt wäre, den Wandel zu vollziehen, bleibt immer noch die alles entscheidende Frage der Finanzierung. Denn für biologische Landwirtschaft, Solaranlagen und Windkraftwerke braucht es Investitionen in adäquate Strukturen, eine gesicherte Infrastruktur und stabile Institutionen. Die Suche danach wird schwierig.

Der Senegal hat einen nationalen Aktionsplan entwickelt, ohne finanziell in der Lage zu sein, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Beim Klimagipfel in Paris sollte es also nicht nur darum gehen, eine Übereinkunft zu treffen, die den weltweiten Temperaturanstieg auf 2°C begrenzen soll. Sondern es sollte auch darum gehen, wie diese Ziele von Ländern wie dem Senegal umgesetzt werden können.

Erstveröffentlichung: Nous sommes tous concernés