09.03.2015
Übersetzt von Solveig Roosch

In den gut situierten Vierteln der burundischen Hauptstadt Bujumbura, ist es vorallem die Aufschrift „Immeuble à louer“ (dt.: „Zu vermieten“), die das Bild der vielen großen Neubauten mit Swimmingpool trübt. Die unbewohnten Immobilien stehen zum Großteil im Viertel Kiriri, berühmt für seine Aussicht auf die ganze Stadt und den Tanganjikasee, sowie in Rohero, einem Viertel, das seit langem als eines der sichersten der Stadt gilt. Manche Besitzer suchen nun schon seit drei Jahren nach neuen Mietern.

Gebaut wurden die meisten dieser Häuser im Jahr 2005, als mit den Präsidentschaftswahlen der langersehnte Frieden in das Land einkehrte und viele internationale Mitarbeiter von NGOs oder den Vereinten Nationen nach Burundi kamen, um den Prozess der Demokratisierung zu begleiten. Aufgrund ihrer relativ hohen Gehälter, konnten sich diese Entwicklungshelfer Monatsmieten von über 500 US-Dollar für eine Luxuswohnung problemlos leisten. Doch ihre Projekte und Verträge endeten nach ein paar Jahren. Mittlerweile leben nur noch wenige vor Ort. Sogar das Büro der Vereinten Nationen in Burundi fuhr seine Aktivitäten immer mehr zurück, bevor es ganz geschlossen wurde.

Die schicken Viertel sterben aus

Seitdem ist es deutlich schwerer geworden, Mieter für die Wohnungen in den teuren Vierteln von Bujumbura zu finden. Die meisten Burundier wohnen lieber in bodenständigen Vierteln wie Nyakabiga, Ngagara, Bwiza, Mutakura oder Kanyosha, wo die monatliche Miete bei 50 bis 300 US-Dollar liegt. Die einst als wohlhabend angesehenen Bauherren stellt dies jedoch vor große Probleme. „Ich suche seit über einem Jahr einen Mieter. Der letzte Bewohner meines Hauses ist im September 2012 ausgezogen, um nach Europa zurückzukehren. Von ihm bekam ich damals 1 000 US-Dollar im Monat. Davon gingen 600 an die Bank, um meinen Kredit abzuzahlen“, berichtet der Eigentümer eines zweistöckigen Hauses. „Vom Rest musste ich leben. Doch jetzt droht mir die Bank damit, mein Haus zu verkaufen und wer weiß, wie ich mir dann noch etwas zu essen leisten soll.“

Den Maklern versprach er - im Erfolgsfall - sogar eine Belohnung von 500 US-Dollar. Doch keiner von ihnen konnte einen Abnehmer finden. „Die meisten Burunder sind nicht bereit, mehr als 300 000 burundische Francs (200 USD) Miete im Monat zu zahlen. Das ist auch verständlich, denn kann hier jeder von Armut getroffen werden. Die Preise explodieren überall und die Zahl der Arbeitslosen nimmt stetig zu, während sich die Korruption prächtig entwickelt“, erklärt ein Makler mit ironischem Unterton.

Ein großes Haus mit Pool in Bujumbura
Eine leerstehende Immobilie in Bujumbura

Die meisten Eigentümer, viele unter ihnen Rentner, mussten einen Kredit aufnehmen, um die Häuser bauen zu können. Sie stehen nun vor dem finanziellen Ruin. „Ich dachte damals, ich könnte mir so eine goldene Rente verdienen. Aber mein Wohlstand entpuppte sich als der Wurzel für meine heutigen Probleme. Und als Dank dafür, so viel investiert zu haben, bekomme ich nun von der Bank Mahnungsschreiben. Wer in den günstigeren Vierteln gebaut hat, muss sich heute nicht mit solchen Sorgen herumschlagen“, sagt einer von ihnen voller Bedauern. "Eigentlich wollen wir die Häuser ja gar nicht verkaufen", so ein Bankvertreter, "Eine Versteigerung bleibt auch weiterhin der letzte Ausweg. Es ist aber die Aufgabe unserer Kunden, ihre Bauvorhaben sorgfältig zu planen.“

In das Gemeinwohl investieren

Einige der Bauherren haben hart arbeiten müssen, um den Bau ihrer Luxusimmobilien finanzieren zu können. Andere wiederum bedienten sich laut der OLUCOME, einer Organisation zur Bekämpfung von Korruption und Veruntreuung, an den Staatskassen. So stehen die verlassenen Häuser sinnbildlich für die Denkweise vieler wohlhabender Burunder: Anstatt in das Wohlergehen der eigenen Mitbürger zu investieren und einfachen, günstigen Wohnraum anzubieten, haben sie sich in teure Immobiliengeschäfte verstrickt, deren Finanzierung von Ausländern getragen werden sollte. Diese haben zwar tatsächlich mehr gezahlt, aber nur für einen begrenzten Zeitraum. Wohnungen für Burunder zu bauen, ist hingegen eine nachhaltige Investition.

Einige alarmierte Eigentümer versuchen nun ihre Objekte umzubauen, so dass sie mehr Mieter aufnehmen können. Andere verkaufen sie wiederum an die Reichsten der Reichen, um in beliebteren Vierteln Wohnungen zu errichten. Denn heute investiert kaum einer mehr in große Wohnhäuser, sondern in erschwinglichen Wohnraum für die eigenen Mitbürger. „Die Eigentümer müssen dringend umdenken und ihre Mietpreise an die hier üblichen Lebenshaltungskosten anpassen. Das Land ist sehr arm, viele können sich nur noch eine Mahlzeit am Tag leisten, obwohl sie früher an drei gewohnt waren. Warum senken diese Leute nicht einfach ihre Mieten?“, so ein Mitglied von PARCEM, einem burundischen Thinktank.

Eine Anpassung an die Gegebenheiten sei unumgänglich, erklärt Oscar Nyandwi, Vertreter der Burundi Broker Agence, ein Maklerverband in Bujumbura: „Selbst wohlhabendere Burunder wohnen lieber in günstigen Wohnungen. Der eine spart auf ein Eigenheim, der andere möchte vermeiden, protzig zu wirken. Die Vermieter wollen nicht akzeptieren, die Miete von 1 000 auf 700 US-Dollar herabzusetzen. Aber das wäre doch immer noch besser, als eine Immobilie ein Jahr lang leer stehen zu lassen. Warum sollten sie verhungern oder zusehen wie ihr Haus versteigert wird, obwohl es mehrere hundert Millionen burundische Francs wert ist?“

Dieser Artikel wurde von Syfia Grands Lacs veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung.

Erstveröffentlichung: Non louées, les belles maisons appauvrissent les riches