19.02.2016
Übersetzt von Marie Adler

In der Vergangenheit haben wir uns oft mit unserem starken Gemeinschaftssinn gebrüstet; das afrikanische System der Großfamilie wurde von aller Welt beneidet. Jedes Mitglied unserer Gesellschaft zählte - und wurde gehegt und gepflegt. Traurigerweise gehört diese Einstellung der Vergangenheit an, und wir kümmern uns heute kaum noch um unsere Familienmitglieder.

Heutzutage liegt es uns ja schon fern uns um unsere Verwandten zu kümmern, wenn sie gesund und munter sind. Und Gott bewahre – wenn sie krank sind, wollen wir uns erst recht nicht unseren Kopf über sie zerbrechen. Wenn sie auf ihrem Krankenbett liegen, gibt es doch unzählige Gründe, sie nicht zu besuchen! Man könnte sich noch anstecken! Wir sind mittlerweile einfach zu „zivilisiert“ dafür, uns mit Problemen außerhalb unserer Kernfamilie zu beschäftigen. Aber sobald die Verwandten sterben, reißen wir uns förmlich darum, für sie eine angemessene Beerdigung auszurichten. 

Wir veranstalten teure Bestattungen für Verwandte, die in absoluter Armut verstorben sind. Wir stürzen uns in Unkosten für einen Leichenschmaus voller Köstlichkeiten, die sich die Verstorbenen nie hätten leisten können. Wir kaufen den teuersten Sarg für einen Menschen, der sein ganzes Leben auf einer einfachen Matte schlief. Und wir mieten die größte und längste Limousine, um einen Toten herumzufahren, der sich sein ganzes Leben nur mit klapprigen Sammeltaxis fortbewegt hat.

Weil wir also so gute Menschen sind, lassen wir jedes Wochenende alles stehen und liegen, versammeln uns in unserem Dorf und verabschieden unsere Verwandten mit großem Trara in die ewigen Jagdgründe. Es ist keine Seltenheit, dass sich Familien haushoch verschulden, um eine verschwenderische Beerdigung für jemanden zu organisieren, der ihnen zu Lebzeiten völlig egal war.

Auf jenen Bestattungen schlagen wir uns den Magen voll und trinken mehr Schnaps als gut für uns ist. Wir tanzen uns dumm und dusselig und führen uns auf wie die Sünder aus Sodom und Gomorrha. Durch Mengen von Alkohol angetrieben, die ausreichen würden, um eine Interkontinentalrakete zu starten, steigen die Gäste in ihr Auto und fahren in den sicheren Tod – was sogleich die nächste Beerdigung heraufbeschwört. Es ist ein Teufelskreis!