13.05.2015
Übersetzt von Aimée de Bruyn

Malawi hat eine kleine, aber stetig wachsende Medienbranche, digitale Medien gedeihen, Printmedien haben sich weit verbreitet. Bis vor kurzem gab es in Malawi allerdings nur eine einzige Nachrichtenagentur – die staatliche Malawi News Agency (MANA). Das bewegte eine Gruppe Medienschaffender zur Gründung der ersten privaten Nachrichtenagentur. Mit unabhängigem Nachrichtenmaterial für lokale und internationale Medienorganisationen will die Lilongwe News Agency (LINA) die Bemühungen anderer Medienhäuser unterstützen, die Öffentlichkeit zu informieren, zu bilden und zu unterhalten.

LINA wurde Ende des vergangenen Jahres von den erfahrenen Journalisten Paul Akomenji, Silvester Nyoni, Sam Makaka und Mundango Nyirenda gegründet und beschäftigt fünf ehrenamtliche Reporter sowie vier Redakteure – den Chefredakteur mit eingeschlossen.

Da bisher weder Mittel noch Investoren zur Unterstützung der Agentur vorhanden sind, arbeiten alle Angestellten ehrenamtlich. Sie bringen nicht nur ihre Arbeitskraft und Leidenschaft für den Journalismus mit, sondern wenden außerdem eigene Mittel auf, um Informationen zu sammeln und auf deren Grundlage Berichte zu schreiben.

„Wir haben nicht darauf gewartet, bis wir genug Mittel zusammen oder einen Sponsoren gefunden hatten. Wir haben einfach mit der Arbeit angefangen“, sagt Paul Akomenji, der Chefredakteur von LINA. „Mit den wenigen Dingen, die uns zur Verfügung stehen, können wir trotzdem Berichte, harte Nachrichten, Features, Fotos und Videoclips anbieten.“

LINA ist eine gemeinnützige Organisation, erklärt der Chefredakteur. Die Agentur stelle Medienhäusern ihre Dienste kostenlos zur Verfügung. Jedes Gründungsmitglied steuere Mittel bei, um die Agentur am Laufen zu halten, solange sie nicht von außerhalb gefördert werde: „Da wir noch keine Sponsoren gefunden haben, bringen wir alle unsere finanziellen und materiellen Mittel ein – bis wir LINAs Förderung gesichert haben“, so Akomenji.

Vier Männer mit Zetteln an einem Tisch
Die Gründer der Nachrichtenagentur LINA bei einer Besprechung.

Lieber arm als parteiisch

Trotz der Herausforderungen, denen sich die junge Nachrichtenagentur am Anfang stellen muss, sind die Gründungsmitglieder fest entschlossen, ihre Unabhängigkeit zu wahren.

Chefredakteur Paul Akomenji schwört, dass LINA politische Einflussnahme als Folge finanzieller Zuwendungen nicht in Kauf nehmen werde – eine Andeutung dafür, dass es solche Zuwendungen sind, die freie und lebendige Medien vernichten. „Ehe wir uns von Politikern unterstützen lassen, schließen wir lieber“, sagt Akomenji nachdrücklich. Stattdessen wollen sie unabhängige Organisationen um Unterstützung zu bitten: Botschaften, internationale Organisationen und die Geschäftswelt zum Beispiel, nicht aber Politiker.

Dem Chefredakteur zufolge ist es nicht einfach, ohne ausreichende Mittel zu arbeiten – besonders wenn es darum geht, Informationen zu sammeln. Ein weiterer schwerer Rückschlag für LINA sei die fehlende Unterstützung der beiden größten Zeitungsverlage des Landes, Blantyre Newspapers (BNL) und Nation Publications Limited (NPL). Akomenji ist enttäuscht, dass sie LINAs Berichte nicht publizieren. „BNL und NPL mögen Gründe dafür haben, unsere Artikel nicht zu drucken, aber sie können nicht behaupten, dass keiner gut genug ist. Hinter LINA stehen erfahrene Journalisten, die wissen, was berichtenswert ist“, verteidigt Akomenji seine Initiative.

Er würdigt jedoch Malawis führende Nachrichten-Website, Nyasa Times (www.nyasatimes.com), die angeblich 90 Prozent der Artikel veröffentliche, die sie von LINA bekäme.

Malawi24 (www.malawi24.com) ist ein anderes Online-Nachrichten-Portal, das Berichte von LINA bezieht. Chance Chingwalu, ein leitender Redakteur von Malawi24 lobt die Arbeit von LINA. Dank des Nachrichtenmaterials der neuen Agentur sei es nun leichter auch aus der zentralen Region Malawis zu berichten.

„Journalisten wie mir hat es geholfen, dass die Lilongwe News Agency gegründet worden ist. Wir haben jetzt die Möglichkeit, für unsere Nachrichten-Website landesweite Berichte zu bekommen. Vorher konnten wir nicht alle geografischen Gebiete abdecken, weil wir zu wenig Mitarbeiter und zu geringe Mittel haben. Seit es LINA gibt, bekommen wir Berichte aus so weit entfernten Regionen wie dem Norden Malawis.“

Zukunftsmusik

Zunächst lag LINAs Schwerpunkt im Print- und Online-Bereich, aber nun existieren Pläne, Berichte auch an lokale Radiostationen zu schicken. Derzeit verfügt Malawi über zehn private Radiostationen, die landesweit senden, sowie 20 lokale Community Radios.

Die Gründer von LINA gehen sogar noch weiter: Sowohl im Print- als auch im Online-Bereich wollen sie selbst Herausgeber werden und landesweit mehr Reporter gewinnen, erläutert Akomenji optimistisch: „Wir beabsichtigen unsere eigene Zeitung zu gründen und ein eigenes Online-Portal zu eröffnen. Das wird vielen Journalisten helfen, die nach Abschluss der Journalistenschule keine Arbeit finden. Sie könnten dann als Reporter und Redakteure arbeiten“, sagt der Chefredakteur optimistisch.