16.10.2015
Übersetzt von Manuela Kleindienst

Nigeria befindet sich im Wandel. Doch je mehr sich zu verändern scheint, bleibt doch alles beim Alten. Als Militärdiktator schaffte General Muhammadu Buhari vor 32 Jahren die Zweite Republik Nigeria ab, die für ihre skandalöse Korruption bekannt geworden war. Seine erste Amtszeit hielt lediglich zwanzig Monate. Im Mai diesen Jahres wurde Buhari nun erneut zum Präsidenten vereidigt – diesmal demokratisch. Er löst erneut eine Regierung ab, die mit massiver Korruption in Verbindung gebracht wurde.

Vom General zum Demokraten

30 Jahre hat Buharis Verwandlung vom Militärgeneral zum demokratischen Präsidenten gedauert. Die Erwartungen an ihn sind naturgemäß hoch: Korruption und eine jahrelang wirkungslose politische Führung haben das einst aufstrebende Land zermürbt. Doch eine Frage muss erlaubt sein: Wird sich überhaupt etwas ändern?

Anhänger des neuen Präsidenten
Lange Schlangen beim feierlichen Amtsantritt: Anhänger des neuen Präsidenten

"Wir dürfen nicht länger nur die Zweige eines kranken Baumes untersuchen, wenn wir den Grund für seine Krankheit finden wollen." – Afrikanisches Sprichwort 

Im Wahlkampf hatte sich Buhari den Kampf gegen Korruption auf die Fahnen geschrieben. Viele Nigerianer erwarten nun, dass dem auch Taten folgen. In allen politischen Lagern müssten sich einige prominente Politiker vor Gericht verantworten, denn ihre finanziellen Vergehen sind zum Teil ungeheuerlich. Doch selbst wenn es soweit kommt: Würde es wirklich ausreichen, um Nigeria vor dem Abgrund zu retten?

 

Ein neues Nigeria

Nigerias Korruption ist ein strukturelles Problem, ein Krebsgeschwür. Man muss schon genauer hinsehen, um es zu bekämpfen. Buhari kam auf Geheiß einiger Personen an die Macht, für die die Geschehnisse am Wahltag des 28. März nichts anderes waren als eine lange geplante Staatsergreifung. Inwieweit der neue Präsident in der Lage ist, die Interessen dieser Gruppe zu bändigen, bleibt bisher völlig offen. Wird er es schaffen seine Vision eines "neuen Nigeria” voranzubringen? Wird er die Millionen desillusionierter und sozial benachteiligter Bürger im Auge behalten? Kann er das fehlende Vertrauen in die Nation zurückzugewinnen?

Die Familie des Präsidenten
In der ersten Reihe: Die Familie des Präsidenten

Nigeria ist ein Land, dessen Ressourcen rücksichtslos ausgebeutet werden, weil sie letztendlich niemandem wirklich gehören. Es gibt kein Gemeinschaftsgefühl, das stärker wäre als reiner Egoismus. Am Anfang der Korruption steht die Krise der nationalen Identität. Ohne eine funktionierende Gesellschaft kann es keinen Staat geben, der die Korruption wirkungsvoll bekämpft. Es ist nicht verwunderlich, dass Politiker den Kuchen unter sich aufteilen, wenn eine Gemeinschaft nicht einmal in ihren Moralvorstellungen existiert.

Präsident Buhari
Feierlicher Amtsantritt

Was fehlt, ist eine gemeinsame Identität

Es ist Zeit für eine Wiedergeburt der Nation. Wir müssen unser gemeinsames Erbe klar definieren. Wir müssen eine Haltung entwickeln zu den Herausforderungen unserer Zeit. Es ist unerlässlich, Nigeria neu zu denken. Wir müssen dieses Gespräch führen und uns frei machen von den Einschüchterungen derjenigen, für die der Status Quo von Vorteil ist.

 

 

Nigeria benötigt eine politische Führung, die die Menschen begeistert. Präsident Buhari kann in dieser Hinsicht sicherlich einiges bewirken. Letztendlich brauchen wir aber eine Gemeinschaft, der die Politik etwas bedeutet. Die Menschen müssen fühlen, dass auch sie Teilhaben an dem gemeinsamen Staat. Erst dann werden die Dinge funktionieren. Es geht also um mehr als Buhari - es geht um Nigeria.

 

Dieser Text ist ein adaptierter Auszug aus dem demnächst erscheinenden Buch "Unmaking Nigeria: The rebirth of a nation".

Chido Onumah ist nigerianischer Journalist und Autor. Zur Zeit promoviert er im Bereich Kommunikation und Journalismus an der Universitat Autònoma de Barcelona in Spanien.