05.03.2015
Übersetzt von Lena Schrader

Solche Nachteile werden weder in den Broschüren der amerikanischen Botschaften noch in Hollywood-Filmen erwähnt. Aber wenn man sie ignoriert, wird man sich besonders als männlicher Afrikaner garantiert Ärger einhandeln. Zum Beispiel muss man als Schwarzer akzeptieren, dass einen die meisten Amerikaner als Kriminellen betrachten. Dabei ist es völlig irrelevant, ob man mit Top-Noten an der Georgetown University in Washington studiert, aus gutem Hause stammt und sich noch nie etwas hat zuschulden kommen lassen. Solange man in der falschen Nachbarschaft unterwegs ist, und dazu zählt genau genommen jede Nachbarschaft, die überwiegend weiß ist, wird man als potenzieller Krimineller abgestempelt, vor dem man sich in Acht nehmen muss.

Nachdem in Ferguson (Missouri) der unbewaffnete Jugendliche Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen wurde, kam es zu Diskussionen über die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppen in den USA. Dominiert wurden diese vor allem von afroamerikanischen Stimmen. Und obwohl die Menschen aus der afrikanischen Diaspora in den Mainstream-Medien nicht zu Wort kamen, boten soziale Netzwerke die Möglichkeit, ihre Ansichten darzulegen.

Ein Nutzer schrieb zum Beispiel bei Facebook, warum er lieber in Ruanda joggen gehe als in den USA: In Ruanda müsse er keine Rücksicht auf die große und irrationale Angst der Weißen nehmen.

Erstens kann ich nachts joggen und werde nicht mit jemandem verwechselt, der gerade von einem Tatort flüchtet. Zweitens kann ich einen Kapuzenpullover tragen, wenn ich Lust dazu habe, und wirke trotzdem auf niemanden bedrohlich. Und drittens wechselt niemand die Straßenseite, wenn er mich kommen sieht.

Ein anderer Nutzer geht in seinem Kommentar zu diesem Post sogar noch weiter. Er schreibt darüber, wie er seine Hautfarbe oft kompensieren muss und klingt dabei sehr frustriert.

Mir ist aufgefallen, wie sehr ich mich darum bemühe, dass mich andere als gebildeten Mann und nicht als Bedrohung wahrnehmen. Sogar bei der Arbeit! Als würden meine Kollegen sich manchmal sorgen, dass ich eines Tages ausraste und mich ‚schwarz‘ verhalte - weil mein Verhalten durch meine Hautfarbe vorherbestimmt ist und man nur versucht, es mir mit genügend Bildung auszutreiben. Da fallen dann Sätze wie ‚Du drückst dich so gewählt aus‘, ‚Na ja, du verstehst schon, wegen deines Hintergrundes‘, ‚Ich bin kein Rassist, aber du bist einfach anders‘ oder ‚Ich bin stolz auf dich‘ - das ist wirklich herzzerreißend.

Interessant ist an diesen beiden Beispielen, dass beide Kommentatoren damit rechnen, über ihre Hautfarbe definiert und dann diskriminiert zu werden. Und das, denke ich, ist der größte Unterschied zwischen Afroamerikanern und Afrikanern, ob zu Hause oder im Ausland. Afroamerikaner wollen das rassistische System größtenteils bekämpfen – Afrikaner in den USA wollen das rassistische System einfach nur überleben.

Ich denke, es wird leider ein Traum bleiben, dass die USA und andere westliche Gesellschaften Rassismus jemals völlig hinter sich lassen. Es ist egal, wie sehr man dagegen protestiert und demonstriert. In ein paar Wochen wird es wieder einen Angriff auf jemanden mit dunkler Hautfarbe geben. Nichts wird sich dadurch ändern, wie sehr wir uns das auch einreden mögen. Deswegen rate ich Freunden, die in die USA ziehen, auch immer, dass sie sich in der dortigen Gesellschaft, die für Schwarze einem Minenfeld gleicht, ganz behutsam und sachte bewegen sollen, damit sie nicht noch eine weitere Ziffer in der Statistik werden. Wenn ihr euch normal verhalten wollt, sage ich ihnen, dann macht das nur zu Hause in Afrika.

Erstveröffentlichung: Black in America: an African’s view