05.10.2015
Übersetzt von Elisabeth Simonson

Es gibt komplizierte Debatten darüber, ob das Rappen auf Englisch mehr Zuhörer für einen MC anzieht als Rappen in seiner Muttersprache. Im Prinzip – so die Meinung vieler – bringt es ein MC nur mit Englisch zu einer internationalen Fanbase. Der swasiländische Rapper Kena kann mit dieser These nichts anfangen: „Wenn man echt ist und sich gibt, wie man ist, zieht es die Zuhörer an, egal auf welcher Sprache“, sagt er und geht sogar noch weiter: „Wenn ich mein Handwerk in meiner Muttersprache präsentiere, hebt mich das von anderen Künstlern ab und verleiht meiner Arbeit das gewisse kreative Etwas, anstatt als kleiner Tropfen im Ozean der Normalität unterzugehen.“

 

 

Kena erfreut sich einer großen Beliebtheit in der swasiländischen Hip-Hop-Szene. Sein Stil ist der sogenannte „Kasi-Rap“ (Township Rap): Es ist ein Sub-Genre des Hip-Hop, das vor allem von südafrikanischen Rappern wie Pro und SiyaShezi vorangetrieben wurde. Es zeichnet sich durch prahlerische Lyrics und eine aggressive Darbietung im Township-Slang ‚TsotsiTaal’ aus. Im Mittelpunkt stehen meist simple, jedoch originelle Pointen, Vergleiche und Metaphern. Aber auch das Erzählen von Lebensgeschichten ist ein wichtiger Teil des Kasi-Raps. „Das ist genau mein Ding: Musik, die sich um mein Leben und die Dinge um mich herum dreht“, sagt der Rapper.

Arbeit am ersten eigenen Album

Außerhalb der Bühne ist Kena ein eher zurückhaltender Typ. Auf der Bühne hingegen strahlt er Selbstbewusstsein aus – sowohl mit seiner Stimmführung als auch durch seine Bewegungen. Seine Musik bezieht sich meistens auf ihn selbst. Und auch wenn er sich in seinen Texten nicht direkt selbst lobt, so rappt er doch gerne darüber, wie schwer es für andere Rapper wäre, sein Niveau zu erreichen.

 

 

Bereits als Kind entdeckte Kena den Hip-Hop für sich und versuchte, seine ersten eigenen Texte zu schreiben. „Alles begann, als ich ein kleiner Junge war“, erzählt er. „Ich verliebte mich in diese Musik und gründete dann eine Band mit meinem Kumpel Lwazi alias Inborn. Dann begann ich, mit Deeflava zu arbeiten, einem der besten Musikproduzenten in Swasiland. Er war es, der meinen Karrierestart ermöglichte.“

Es folgten Auftritte mit anderen lokalen Künstlern. Kena wurde bekannt, und seine Songs standen bald auf Platz 1 in den nationalen Radiocharts. Nach einigen weiteren Auftritten bei großen Veranstaltungen entschied er sich, sein erstes Album aufzunehmen. „Momentan arbeite ich mit meinem Kumpel Ghetto Villah an dem Album. Er ist auch mein wichtigster Produzent und es ist rundum eine wunderbare Erfahrung, mit ihm an dem Projekt zusammen zu wirken.“

 

 

Wie alle swasiländischen Künstler hat auch Kena mit den hohen Internetpreisen zu kämpfen, die die gesamte nationale Musikindustrie einschränken. So ist er gezwungen, seine Songs auf kleine MP3-Dateien zu komprimieren, bevor er sie für seine Fans online zum Download bereitstellt – ein enormer Qualitätsverlust. Der Rapper weiß es zu schätzen, dass seine Fans ihr hartverdientes Geld trotzdem für seine Downloads ausgeben. „Ich bedanke mich für jede Unterstützung, für jeden Download und jeden Klick auf YouTube. Es ist ein sehr gutes Gefühl, wenn meine Fans ihre Liebe und Anerkennung zeigen, für das, was wir unter diesen Umständen bieten können.“

 

In einer Serie über die Hip-Hop-Szene Swasilands stellen wir die vielversprechendsten Künstler vor. 

Teil 1: "Diese Künstler sollten Sie kennen. Swasilands Talente vor dem Durchbruch." 

Teil 2: Die Queen des Swasi-Hip-Hops

 

 

Erstveröffentlichung: The Rise Of Swaziland’s Hip-Hop Scene