01.03.2016

„Ein Knopfdruck genügt“, sagt Afshon Wellace Ngige, Geschäftsführer des Unternehmens ‚250 Taxi’. Gemeinsam mit Kollegen hat er eine App entwickelt, die den Taximarkt in Ruanda nachhaltig verändern will. Nach einem erfolgreichen Testlauf wurde sie Anfang Februar der Öffentlichkeit vorgestellt.

Im Dezember hatte zunächst die Pilotphase des Geschäftsmodells stattgefunden, die von Taxibetreibern und deren Kunden gleichermaßen positiv aufgenommen wurde. „Wir haben mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen zusammengearbeitet, die keine Firmenwagen besitzen und Firmenkonten für sie erstellt. Damit können sie unsere Leistungen nutzen und testen”, so Ngige.

Zu herkömmlichen Taxis sieht Ngige einen entscheidenden Vorteil: „Wir haben das Taxifahren sicherer gemacht, indem wir ausschließlich mit registrierten Taxibetreibern zusammenarbeiten, die wir geschult haben. Von ihnen haben wir alle Daten registriert, die dem Nutzer mit der App zur Verfügung stehen”, erklärt er.

Und auch preislich bewege man sich mit „250 Taxi“ auf der sicheren Seite: Die Wagen sind mit einem Zähler ausgestattet, der den Fahrpreis der zurückgelegten Strecke nach offiziellen Vorgaben berechnet.

Keine Gefahr für die Betreiber

Die Leistungen ähneln in vielerlei Hinsicht denen des globalen Taxiunternehmens Uber. Dies rief bei einigen Betreibern Bedenken hervor. Denn im benachbarten Kenia führte der Einstieg von Uber zwar dazu, dass die Kosten für die Kunden sanken. Einige Taxibetreiber kritisierten jedoch, dass Uber ihnen ihr Geschäft wegnehme. Dem Gründer zufolge sind solche Reaktionen bei ‚250 Taxi’ kaum zu erwarten: Die Firma arbeite mit professionellen Taxifahrern zusammen, die bereits im Geschäft seien. „Die Situation in Kenia ist ganz anders als bei uns. Einige der registrierten Fahrer von Uber sind keine Taxibetreiber, sondern normale Leute mit Autos. Wir sind dagegen durch Kigali gelaufen und haben unsere Taxifahrer selbst ausgewählt. Wir haben sichergestellt, dass sie alle zugelassen und bei einem Taxiverband registriert sind“, versichert Ngige.

Aktuell arbeitet ‚250 Taxi’ nach eigenen Angaben mit fast 60 Taxibetreibern in der Stadt zusammen. Clarisse Uwera ist eine der Nutzerinnen, die in der Pilotphase mitgemacht haben. Sie bestellte mehrmals mithilfe des Dienstes ein Taxi - eine angenehme Erfahrung, auch weil sie nicht über den Preis verhandeln musste. „Ich war mit dem Kundenservice der Fahrer sehr zufrieden. Ich musste mit dem Fahrer nicht um die Bezahlung feilschen, und die Kosten waren fair”, so Uwera.

Auch zahlreiche Fahrer gaben an, der Plattform gern beitreten zu wollen. Viele erhoffen sich mehr Fahrgäste. Bosco Makuza, seit fünf Jahren Taxibetreiber, hat vor Kurzem eine Schulung von ‚250 Taxi’ absolviert, um Teil der App-Flotte zu werden. Er ist optimistisch, so seine Erträge steigern zu können. „Dank dieses Unternehmens sparen die Menschen viel Zeit. Die Zeiten, in denen Fahrer unproduktiv auf Kunden warteten, sind endlich vorbei”, sagt Makuza.

Das Unternehmen beschränkt seinen Betrieb zunächst auf die Hauptstadt Kigali, will aber in naher Zukunft landesweit tätig werden.

IT-Experten loben den Trend

Technik-Enthusiasten halten die neueste Entwicklung für eine wichtige Ergänzung im Transportwesen. Aus Sicht von Gilbert Rwabigwi, einem lokalen Technik-Ana­lysten, seien solche Innovationen für jede zukunftsorientierte Gesellschaft notwendig.

Unterdessen stehen zwei weitere Geschäftsideen in den Startlöchern: Safemotos, eine Handy-App von zwei Jungunternehmern, will Kunden ohne Zusatzkosten mit geprüften öffentlichen Motorradtaxis verbinden. Und das von der AC Group entwickelte intelligente „Tap&Go“-Zahlungssystem soll das bargeldlose Bezahlen im öffentlichen Nahverkehr ermöglichen. Auf Ruandas Straßen könnte sich in der kommenden Zeit also einiges ändern.

Erstveröffentlichung: 250 Taxi: Kigali's version of Uber