27.10.2015
Übersetzt von Cathérine Bahr

Vor wenigen Jahren noch erschien es vielen Ugandern als Hauptgewinn: 1.500 US-Dollar Lohn im Monat, und das als Sicherheitskraft ohne langjährige Ausbildung. Mehr als 15.000 Ugander wurden auf diese Weise seit 2007 angeheuert. Ihre Aufgabe: Wachdienste zu leisten für amerikanische Firmen im Irak - einem der gefährlichsten Länder der Welt. Meist waren es in Uganda registrierte Firmen, die im eigenen Land Sicherheitskräfte für den externen Arbeitsmarkt im Nahen Osten rekrutierten.

Die Pioniere unter den Gastarbeitern kehrten mit vollen Taschen wieder heim und vervielfältigen so die Anziehungskraft der Jobs. Doch längst hat sich die Lage geändert: Heimkehrer berichten von Ausbeutung, widrigen Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung.

Amerikanische Supermärkte bewachen

Godfrey Musoke, 29 Jahre alt, ist einer von ihnen. Er arbeitete zwei Jahre lang im Irak und kehrte im Dezember 2012 nach Hause zurück.

„Ich war einer von 1.000 Sicherheitsleuten. Wir wurden 2009 nach einem dreimonatigen Training von einer Firma namens Rashak Security Services in den Irak geschickt. Als wir dort ankamen, wurden wir mit dem Schutz von amerikanischen Supermärkten betraut. Wir sollten sicherstellen, dass niemand mit einer Bombe oder einer Schusswaffe hineinkommt, “ berichtet Musoke. Daneben habe es zu seiner Arbeit gehört, Fahrzeuge auf Sprengstoffe zu überprüfen.

Stunden lang in der Hitze stehen

Über miserable Arbeitsbedingungen weiß auch Musoke zu berichten: „Es war wirklich sehr gefährlich dort: Wir mussten bis zu zehn Stunden lang arbeiten, im Stehen und bei brütender Hitze. Bei solcher körperlicher Anstrengung lässt irgendwann die Konzentration nach. Das kann fatal enden“, erzählt Musoke. Die kugelsichere Weste habe durch ihr Gewicht die Situation noch verschlimmert. Pausen während der Arbeitszeit seien verboten gewesen.

Viel deutet darauf hin, dass die Anstellung von Beginn an auf Ausbeutung angelegt war. „Die Amerikaner gaben unserem Arbeitgeber mehr als 5.000 US-Dollar für unsere Arbeit. Wir bekamen davon nur einen Bruchteil zu Gesicht, meist um die 500 Dollar. Der Rest wurde einfach einbehalten“, empört sich Musoke.

Ugandische Sicherheitskräfte sterben im Einsatz

Aller Widrigkeiten zum Trotz schätzt sich Musoke heute glücklich, den Einsatz überlebt zu haben. Viele seiner Kollegen sind im Irak-Einsatz umgekommen. Ein ehemaliger Aufseher der Sicherheitskräfte, der anonym bleiben möchte, berichtet von 46 getöteten ugandischen Wachmännern. Die meisten von ihnen seien während der Arbeitszeit von irakischen Aufständischen umgebracht worden. Zudem hätten einige von ihnen Aufgrund der katastrophalen Arbeitsbedingungen Selbstmord begangen. Gefeuerte Sicherheitskräfte wurden oft direkt zum Flughafen gebracht und ohne jegliche Abfindungen nach Hause geflogen. Eine Stellungnahme des Unternehmens Rashak Security zu erhalten ist heute nicht mehr möglich: Die Firma hat ihren Betrieb längst eingestellt.

Das Leben nach dem Irak

Heute betreibt Musoke ein Motorradtaxi-Geschäft. Auch seine ehemaligen Kollegen kommen inzwischen relativ gut über die Runden, die meisten von ihnen im Einzelhandel. Das war nicht immer so: Denn zurücklegen konnten sie bei ihrem riskanten Einsatz meist nichts. Zurück in Uganda mussten sie alle wieder bei Null anfangen.

Für Moses Binoga, den Koordinator der Nationalen Arbeitseinheit gegen Menschenhandel, sind solche Geschichten nichts Neues: „Die Zahl der ugandischen Frauen und Männer, die von Ausbeutung und Misshandlungen in anderen Ländern berichten, steigt zusehends. Firmen rekrutieren hierzulande Arbeitskräfte fürs Ausland, und das ohne staatliche Genehmigung.“

Das Märchen vom gut bezahlten Job

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit sei ein Katalysator für solche Missstände, so Binoga. Einer jüngsten Studie der Internationalen Arbeitsorganisation zufolge sind mehr als 80 Prozent der 18- bis 24-Jährigen ohne gesichertes Einkommen. In den anderen Altersgruppen liegt die Zahl der Arbeitslosen bei durchschnittlich 5 Prozent. Für zwielichtige Unternehmen ist das ein gefundenes Fressen: Über Anzeigen in den Medien ködern sie Jugendliche mit Märchen von gut bezahlten Jobs im Ausland. Am Ende werden diese meist um ihr Geld betrogen. Die Geschichte der Sicherheitskräfte im Irak dürfte folglich nur eine von vielen Episoden sein, in denen Ugander der Arbeitsausbeutung zum Opfer gefallen sind.