23.06.2015
Übersetzt von Konstantin Meisel

Reges Treiben herrscht jeden Morgen vor der Trinkwasserstelle von Vutetse, einem Viertel im Süden der Stadt Butembo in der Provinz Nord-Kivu. Innerhalb kürzester Zeit füllen Frauen und Mädchen ihre 20-Liter-Kanister mit Wasser. "Endlich haben wir eine gute Lösung gefunden und müssen nicht mehr um Trinkwasser streiten", freut sich Ange Kavira, eine der Anwohnerinnen. In den letzten Monaten hat sich die Zahl der Wassertankstellen wie in Vutetse im über 800.000 Einwohner zählenden Butembo vervielfacht. Dennoch ist Trinkwasser hier immer noch Mangelware.

Wie ein Verantwortlicher der staatlichen Wasserversorgung Regideso erklärt, beziehen lediglich 1000 Haushalte ihr Trinkwasser über den Staatsmonopolisten. Der Großteil der Bevölkerung nutzt Wasser aus Brunnen oder mangelhaften Quellen. Doch die Bewohner wissen mittlerweile, dass sie von der Regideso keine Lösung für dieses dringliche Problem erwarten können, und so handeln sie gemeinsam: "Die Mangelsituation hat Streitereien an den Wasserquellen hervorgerufen und so den sozialen Frieden gefährdet. Die protestantische Kirche hat uns geholfen, einen Partner zu finden, und jetzt steht uns das kostbare Gut zur Verfügung", berichtet Baloti Fataki, der Präsident der Vereinigung der Wasserverbraucher von Katwa und Vetutse (ACEKAVU). Diese Vereinigung verwaltet heute ein großes Netz von über 100 Trinkwasseranlagen. Jede einzelne liefert Wasser für 50 bis 60 Haushalte.

Ohne Gemeinschaft kein Wasser

Am 26. Februar wurden von der Stadtverwaltung in der Gemeinde Mususa ein 120.000 Liter fassender Wasserspeicher und 17 Trinkwasseranlagen eingeweiht, sie sollen die Wasserversorgung des Viertels Kitulu und der umgebenden Bezirke sichern. Die Mittel für den Bau dieser Anlagen, rund 62.000 Euro, stammen alle aus Beitragszahlungen der Bewohner dieses Gebiets.

Um diese Summe zusammen zu bekommen, hat der Entwicklungsausschuss von Kitulu einzelne Unterausschüsse für jedes Viertel gebildet. "Gewählte Ausschussmitglieder haben die Bevölkerung zunächst informiert und ihr zu verstehen geben, dass es ihr gutes Recht ist, an der Verwirklichung dieses Projekts mitzuwirken. Dazu haben sie sich an Kirchen, Vereine und Radiostationen gewandt", erklärt Alphonsine Kahindo, Präsidentin des Unterausschusses der anglikanischen Kirche.

"100 Haushalte haben auf unsere Anfrage insgesamt 1600 Euro zusammengetragen. Das hat unsere Arbeit erheblich erleichtert", erklärt Visiri Isaac, der Chef des Viertels. Bereits kurz zuvor habe die Bevölkerung selbst Initiative ergriffen und mit Extrabeiträgen zur Errichtung eines großen Wasserreservoirs am Berg Lubwe (ca. 10 km von der Stadt entfernt) und der nötigen Wasserleitungen beigetragen. Jeder Unterausschuss hat zur Realisierung dieser gemeinschaftlichen Arbeit eine Person entsandt.

Vertrauen in gutes Management

Durch das Engagement der Bewohner sind mittlerweile in vielen Vierteln AEPA*-Projekte entstanden. Diese kümmern sich darum, dass das Wasser aus den Trinkwasseranlagen auch wirklich allen Bewohnern zur Verfügung steht. Für jede Trinkwasseranlage sind je zwei Mitarbeiter verantwortlich, die darauf achten, dass die Beitragszahlungen auch sachgerecht verwendet werden. "Die Beiträge variieren zwischen 400 und 500 Kongo-Franc (ca. 0,45 Euro) pro Haushalt und hängen auch vom jeweiligen Viertel ab. In der Regel bitten wir jeden Haushalt, die 4 bis 6 Euro direkt für das ganze Jahr zu bezahlen", sagt Alexandre Kitsa, Vorsitzender des städtischen Wasser- und Elektrizitätsversorgers.

Da diese Art der Wasserversorgung in der Stadt nicht gewinnorientiert ist, sinken die Beiträge immer weiter. "20 Prozent der Einnahmen werden für die Instandhaltung der Anlagen verwendet, 30 Prozent für den Verein, und 50 Prozent werden gespart, sie sollen die Zukunft des Projekts sichern und helfen, eventuell auftretende Mängel zu beheben", erklärt Ivone Kavo, Verantwortliche einer Trinkwasseranlage in Katsya.

In den Gebieten, die schon mit Wasser versorgt werden, bitten Bewohner die Vorsitzenden der AEPAs immer wieder, ihre Privathaushalte direkt an das Wassernetz anzuschließen. Doch hierzu ist das Wassernetz zu schwach, außerdem ist die Versorgung gemeinschaftlich und nicht individuell. "Wir werden niemals Wasserhähne in Privathaushalten anbringen. Ob reich oder arm, alle müssen ihr Wasser von den Wasseranlagen holen, und zwar dort, wo sie registriert sind. Alle sollen von diesen Anlagen profitieren dürfen, auch die allerärmsten", bekräftigt Musoro Henri, geschäftsführender Sekretär der Vereinigung der Wasserverbraucher von Katwa und Vetutse.

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Eine im Bau befindliche Zisterne in Butembo in Ostkongo

Regideso wurde überholt

Vor über zehn Jahren wurden durch Beitragszahlungen der Bewohner lediglich die Viertel Katwa und Vetutse (ACEKAVU) mit Wasser versorgt. Heute will jedes Viertel sein eigenes AEPA-Projekt. Diese Art der Wasserversorgung stillt ein Grundbedürfnis, denn in vielen Vierteln der Stadt ist es immer noch äußerst schwierig, an Trinkwasser zu kommen. Früher mussten die Bewohner mitten in der Nacht aufstehen, weite Strecken zurücklegen und lange Zeit an der Wasserquelle warten. "Die Frauen rannten, aus Furcht, vergewaltigt oder überfallen zu werden. Außerdem gab es immer wieder Rangeleien an den Quellen. Heute gibt es weniger solcher Probleme", erinnert sich Patrice Ndamukulu, Vorsitzender des AEPA im Viertel Vutsundo.

Gelegentlich werden die Projekte von Vereinen unterstützt, die für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt werben. "Wir erklären ihnen die Verfahren, mit denen das Wasser sauber gehalten werden kann, da den Projekten geschulte Abwassertechniker fehlen", erläutert Richard Kwiraki, Mitarbeiter der Organisation HYFRO (Hydraulique Sans Frontières). Durch solche Aktionen wird der unzureichenden Versorgung durch die Regideso zumindest notdürftig entgegengesteuert. "Das Netz der Regideso hat ein viel zu geringes Fassungsvermögen, es reicht in keiner Weise aus, außerdem sind die Rohre marode", erklärt der Ingenieur Alexandre Kista.

* AEPA steht für "Alimentation en eau potable et assainissement", also die lokale Ver- und Entsorgung von Trink- und Schmutzwasser.