23.12.2015
Übersetzt von Philipp Lemmerich

Als der Tansanier Askwar Hilonga im Juni 2015 den Preis der britischen “Royal Academy of Engineering” (RAENG) für herausragende technische Innovationen in Afrika entgegennahm, war es für ihn mehr als eine bloße Ehrung. Es war weit mehr als das Resultat irgendeines Forschungsprojektes, in das er zufälligerweise geraten war. Stattdessen war es die Bestätigung für eine Unternehmung, die er schon zu seiner Berufung gemacht hatte, als er noch als Jugendlicher ein seinem Heimatdorf lebte.

Damals musste er zusehen, wie Freunde und Verwandte Krankheiten zum Opfer fielen, die durch verunreinigtes Wasser übertragen wurden. Die Arbeit, für die er nun ausgezeichnet wurde, ist seine  Antwort auf diese Erfahrung: der sogenannte „Nanofilter“, ein kostengünstiges und umweltfreundliches System der Wasserfilterung. Es ist in der Lage, aus jeder Wasserquelle gesundes Trinkwasser herzustellen. Diese Innovation habe das Potential, viele Leben in Afrika und der ganzen Welt zu retten, schrieb die Royal Academy in ihrer Laudatio. Hilonga selbst ist so optimistisch wie nie zuvor, dass das auch Wirklichkeit werden könnte.

 

 

Der Nanofilter nutzt Sand und Nano-Teilchen, um Wasser zu reinigen. “Er entfernt 99,99 % aller Schadstoffe im Wasser”, sagt Erfinder Hilonga, der nebenbei als Universitätsdozent tätig ist und in Nanotechnologie promoviert hat. „Der Filter hat die Fähigkeit, die Wirkungsweise der Nano-Teilchen zu lenken und damit spezifische Verunreinigungen zu entfernen. Schwermetalle wie Kupfer, Giftstoffe wie Arsen, aber auch Bakterien, Viren und sogar Pestizide können auf diese Weise gefiltert werden.“

Welche Giftstoffe im Wasser enthalten sind, unterscheidet sich stark von Region zu Region und ist neben den menschlichen Verunreinigungen auch abhängig von Gesteinsarten und der Beschaffenheit des Bodens. Hilonga zufolge könne der Nanofilter speziell an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden. “Das Wasser wird zunächst getestet, bevor wir einen Nanofilter entwickeln, der die gemessenen Verschmutzungen entfernt. Er funktioniert streng genommen wie ein Sieb.“ Dafür brauche es keinen Strom, nicht einmal Solarenergie. Auch eine UV-Behandlung oder chemische Zusätze seien nicht nötig.

Wasserfilter von Askwar Hilonga
Der Wasserfilter könnte vor allem in ländlichen Regionen eingesetzt werden.

Sein Unternehmen benannte Hilonga nach seinem Heimatdorf Gongali im Nordosten des Landes. Dort erlebte er hautnah, welche desaströsen Effekte kontaminiertes Trinkwasser mit sich bringen kann. Dort reifte die Überlegung, etwas dagegen tun zu müssen. Heute möchte er nicht mehr nur seiner Community helfen, sondern auch den vielen anderen Menschen im Land, die unter denselben Herausforderungen leiden. Etwa neun Millionen Haushalte in Tansania nutzten bisher keine Form von Wasseraufbereitung, so Hilonga. “Mit unseren Kooperationspartnern denken wir auch darüber nach, unser Angebot auch auf andere Länder Subsahara-Afrikas auszuweiten. Und vielleicht sogar darüber hinaus“, fügt der Gründer hinzu.

Die 25.000 Pfund Preisgeld der Royal Academy nutzte Hilonga derweil für weitere Investitionen. “Wir konnten unsere Kapazität erhöhen und neue Leute einstellen.” Sein Unternehmen könne nun 20 Nanofilter pro Woche herstellen - bei einem Stückpreis von 130 US-$. Mit jedem Wasserfilter lassen sich täglich ca. 60 Liter sicheres Trinkwasser reinigen. Für umgerechnet 50 US-Cent am Tag vermietet Hilonga seine Filter an lokale Kleinunternehmer, die wiederum das gefilterte Wasser verkaufen. “Sie verkaufen Trinkwasser zu einem Preis, den die Leute sich leisten können: ein Fünftel dessen, was eine abgefüllte Flasche Wasser kostet”, sagt er. Bereits etwa ein Dutzend Kleinunternehmer kann von dieser Geschäftsidee leben. Unterdessen gehen weitere Bestellungen aus Tansania, Uganda und Äthiopien ein. “Im Moment ist die Nachfrage nach dem Filter weitaus höher als das, was wir liefern können”, sagt Hilonga.

Doch die Aussichten waren nicht immer so rosig. Lange Zeit tat sich Hilonga schwer damit, Kapital zur Unternehmensgründung zu beschaffen. “Am Anfang habe ich mich gefragt, ob ich es jemals schaffen würde, mit meinem Produkt in den Markt einzusteigen. Ich war ständig auf der Suche nach Startkapital.“ Einen realistischen Businessplan zu entwickeln und Beziehungen zu potentiellen Kunden aufzubauen, waren ebenso große Herausforderungen. “Ich habe bemerkt, wie wichtig es ist, sich mit Konsumverhalten auseinanderzusetzen. Die Kunden sind nicht so unwissend, wie man meint. Sie leben ihre Traditionen seit vielen Jahren oder Jahrzehnten. Da ist es nicht so einfach, wenn einer mit einem Wasserfilter ankommt und über Nacht alle Verhaltensweisen ändern will!“ Eines ist jedoch sicher: Seinem Ziel, Forschung mit einem gesellschaftlichen Mehrwert zu verbinden, ist Hilonga mit seiner Innovation ein großes Stück näher gekommen.