„Der Beginn für eine Transformation“

Moses Acquah ist ein ghanaischer Jungunternehmer, der mit mehreren Projekten in Afrika und Europa aktiv ist. Im Interview spricht er über seine Arbeit, gelungene Entwicklungskooperation und die Sinnhaftigkeit eines Marshallplans für Afrika.

Interview und Übersetzung: David Knapp, Marcel Jud

 

Moses, kannst du kurz erklären, was Afrolynk ist und worum es dabei geht?

Wir bieten Afrikanern, Freunden von Afrika und Unternehmen eine Plattform, um miteinander in Kontakt zu kommen. So können wir zusammen mit unseren Partnern und Organisationen, die Interessen in Afrika haben, gemeinsam unternehmerische Konzepte entwickeln. Für uns ist es wichtig, dass wir ein Auge auf Afrika haben und dass Leute ihren Fokus auf Afrika setzen, um dort Dinge umzusetzen.

Du hast für Unternehmen wie Microsoft und Nokia in Europa und Afrika gearbeitet. Inwiefern nehmen internationale Firmen Einfluss auf die Wirtschaften afrikanischer Länder?

Zunächst einmal bringen große Unternehmen eine Menge Value, Kapital und Know-how, manchmal sogar Infrastruktur in die afrikanischen Länder. Auf der anderen Seite fließen die erwirtschafteten Gelder, Ressourcen und Umsätze wieder zurück in das jeweilige Land des Unternehmens. Und diese Umverteilung ist sehr entmutigend, weil es wünschenswert wäre, dass die afrikanischen Länder und deren Bürger ebenfalls profitieren. Die positiven Ansätze werden durch den Rücktransfer zunichte gemacht. An dieser Stelle muss man sich an die politischen Entscheidungsträger wenden, die Wohlstand auch für die Ärmsten gewährleisten sollten.

Strategien europäischer Entscheidungsträger für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas folgen in der Regel einer Top-down-Herangehensweise. Wenn europäische Länder für Afrika Verantwortung übernehmen möchten – wie sollte das aussehen?

Die wirtschaftliche Entwicklung sollte auf Zusammenarbeit fußen, also ineinandergreifend ablaufen. Was manchmal schiefläuft, ist, dass die falschen Leute zu Rate gezogen werden. Afrikaner aus der Diaspora müssten bei solchen Prozessen mehr einbezogen werden. Durch uns kann man ein recht gutes Verständnis davon bekommen, wie die Dinge funktionieren und warum die Leute Dinge so tun, wie sie sie tun. Und auf der anderen Seite haben wir immer noch unser Netzwerk, unsere Verbindung nach Afrika. Aber im Normalfall findet diese Beratung nicht statt.

Einige Punkte des Marshallplans für Afrika werden schon seit Jahrzehnten in der Entwicklungspolitik vorangetrieben. Ist der Marshallplan überhaupt der „Big Push“, den manche Politiker in ihm sehen?

Es sind auf jeden Fall wichtige Punkte, die gefördert und umgesetzt werden sollten. Aber es sollte immer ein Nutzen in dem liegen, was du tust. Man stelle sich vor, das Ziel ist freier Handel oder etwas, das wirklich etwas verändern würde, wovon alle Seiten im Endeffekt profitieren. Dann entwerfen wir nicht einfach irgendeine Strategie, damit sich die Afrikaner selbst ernähren können. Sondern wir entwerfen eine Strategie, mit der wir sie unterstützen, aber wir gleichzeitig auch einen Nutzen daraus ziehen können. Und ich meine damit einen fairen Nutzen. Aber was wir seit Jahren beobachten, ist: Es wird etwas angestoßen, aber nichts passiert, weil wir die Denkweise nicht ändern. Wir sehen Entwicklungszusammenarbeit immer noch als eine Art Hilfe an. Und da wird es zum Problem.

Boniface Mabanza, ein Philosoph aus der Demokratischen Republik Kongo, sagt: „Man kann doch nicht ernsthaft einen ganzen Kontinent mit einem einzigen Plan entwickeln wollen!“ Ist der Marshallplan für Afrika also zu unpräzise für 54 unterschiedliche Länder?

Man kann definitiv keinen Kontinent mit einem einzigen Plan entwickeln! Stell dir vor, ich entwickle einen Plan, dann würde ich ihn aus einer bestimmten Perspektive heraus entwickeln. Der Plan sollte dann generalisierbar sein. Aber wenn es um die Implementierung geht, muss der Plan maßgeschneidert sein. Was ich immer sage ist: Nimm dir den Plan, schau dir an, was funktioniert und was nicht funktioniert und dann nimm Änderungen vor, um deine Ziele zu erreichen. Dann können wir sagen: Lösung eins ist der Weg, mit dem wir nach Uganda kommen, Lösung zwei bringt uns nach Kamerun und Lösung drei nach Südafrika.

Zahlreiche afrikanische Länder sehen sich mit dem Problem des sogenannten „Brain Drains“ konfrontiert: Junge, hochqualifizierte Leute verlassen ihre Heimat, um in Europa oder den USA zu arbeiten. Allerdings unterstützt diese junge Auswanderergeneration die daheimgebliebenen Familien finanziell, was wiederum positive Effekte auf die Wirtschaft in den jeweiligen Ländern haben kann. Wie sollte man mit diesem Dilemma umgehen?

Momentan vollzieht sich eine Veränderung dahingehend, dass junge Leute aus Afrika mehr Erfolg haben, wenn sie in ihrer Heimat bleiben. Der Unterschied zur Diaspora ist, dass diese zwar hochqualifiziert ist, die Diaspora aber nicht die eigenen Märkte gestalten kann. Es geht mehr darum, sich etwa in Europa Dinge anzueignen, die man in der Heimat wieder umsetzen kann. Das ist einer der Gründe, warum Afrolynk versucht, diese Brücke zu bauen. Wenn wir einmal diese Plattform aufgebaut haben, haben wir zahlreiche Leute aus der Diaspora, die in der Lage sind, ihr Wissen zu teilen. Und dann wird das Ganze mehr „Brain Gain“ als „Brain Drain“ sein.

 

Dieser Artikel wurde im Zuge des Seminars „Internationaler Journalismus“ im Masterstudiengang Journalistik (Universität Leipzig) erstellt.