Entwicklungshilfe: Eine Frage der Nachhaltigkeit

Die gemeinnützige Stiftung „Manager ohne Grenzen“ (MOG) unterstützt seit 12 Jahren Unternehmen in Entwicklungsländern – ohne Geld, dafür mit wirtschaftlichem Knowhow. Ursprünglich von der Diplom-Betriebswirtin Helene Prölß ins Leben gerufen, hat sich die Stiftung stetig weiterentwickelt und neue ehrenamtliche Mitarbeiter dazugewonnen. So wie Helena Jenaro, die in der Zentrale in Stuttgart arbeitet. In einem Interview erklärt sie, wie die Unterstützung konkret abläuft und warum klassische Entwicklungshilfe für sie der falsche Weg ist.

Interview: Maximilian König und Marlen Schernbeck

 

Kurz erklärt: Was macht die Stiftung „Manager ohne Grenzen“ (MOG)?

Unser oberstes Ziel ist die Armutsbekämpfung durch Einkommensgenerierung. Unsere Stiftung unterscheidet sich ganz klar von der klassischen Entwicklungshilfe – sprich: es fließen hier keine Gelder, sondern wir bieten einen Wissenstransfer. Der funktioniert folgendermaßen: Kleine oder mittlere Unternehmen, zum Beispiel in einem afrikanischen Land, bitten uns um Unterstützung – sei es im Vertriebswesen, im Bereich Human Resources oder auch im Marketing. Der Zeitraum der Unterstützung beschränkt sich auf vier Wochen bis maximal drei Monate. Für diesen Zeitraum wird ein Manager aus Deutschland entsendet, der mit seinen Kompetenzen genau zu dem Projekt-Profil passt und vor Ort sein Wissen einbringen kann.

Die Arbeit der Manager ist ehrenamtlich, nur die Unterkunft und Verpflegung vor Ort werden durch Spenden finanziert. Wie viele Manager entscheiden sich für diesen Schritt?

Das Interesse ist groß. Im Jahr entsenden wir im Schnitt etwa 30 Manager. Die kommen aus ganz verschiedenen Branchen, haben viel Berufserfahrung und stellen sich irgendwann in ihrem Leben die Frage: Soll es das gewesen sein, oder gibt es für mich eine Möglichkeit zu helfen? Spannend ist auch, dass die Manager oft erst vor Ort sehen, wie sie helfen können. Der afrikanische Projektpartner weiß nämlich häufig selber nicht, woran sein Projekt hakt. Ziel ist es, die Probleme zu identifizieren und gemeinsam einen Lösungsansatz zu entwickeln.

Das Projekt setzt also eher auf Hilfe zur Selbsthilfe?

Genau. Wir bieten keine ständige Begleitung, sondern eine Starthilfe. Anschließend sollen die Leute vor Ort ihr Unternehmen selber leiten. Nachhaltigkeit spielt bei uns eine zentrale Rolle.

Inwiefern?

Der lokale Unternehmer, der unsere Unterstützung möchte, muss klar formulieren, wie er eine nachhaltige Einkommensgenerierung gewährleisten will. Wir wollen sehen, dass der Projektpartner ein klares Ziel zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit hat. Nur dann halten wir das Projekt für unterstützungswürdig. Die meisten der gescheiterten Anträge hatten kein Nachhaltigkeitskonzept.

Wie häufig kommt das vor?

Es passiert immer wieder, dass die Frage nach finanzieller Unterstützung kommt. Ich nehme an, das ist die alte Gewohnheit, dass man von deutschen NGOs erstmal finanzielle Unterstützung erwartet. Dann führen wir Einzelgespräche mit den Projektpartnern und erklären genau, wie unsere Hilfe aussieht.

Stichpunkt „alte Gewohnheiten“: Was genau stört Sie an der klassischen Entwicklungsarbeit?

Wenn man durch afrikanische Dörfer fährt, sieht man irgendwelche Latrinen rumstehen oder Drohnen, die nicht mehr in Betrieb sind. Heißt: Es sind Gelder geflossen, aber es wurde sich anschließend nicht weiter gekümmert. Mit Spendengeldern wurden Schulen gebaut.

Das ist erstmal nichts Schlechtes. Aber es wurde ohne Miteinbeziehung der Bevölkerung gemacht. Ein Beispiel: In einem Dorf wurde eine Schule auf einem ehemaligen Friedhof gebaut, die Bevölkerung meidet die Einrichtung deshalb. Das hätte man verhindern können, wenn man sich mit Partnern vor Ort abgestimmt hätte.

Nun hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Marshallplan für Afrika formuliert. Ein Eckpunkt ist unter anderem „Afrika braucht afrikanische Lösungen.“ Ein Schritt in die richtige Richtung?

Das finden wir grundsätzlich gut. Ein Paradigmenwechsel ist deutlich erkennbar. Man sucht nach nachhaltigen Lösungen. Aber die Umsetzung wird sicherlich nicht einfach. Und man muss verstehen, dass es Zeit brauchen wird. Was klar ist: In Afrika lebt ein Großteil der Weltbevölkerung, der stärker am gesamten Handel teilnehmen sollte. Und es gibt politische und wirtschaftliche Faktoren, die das verändern und Afrika auf lange Sicht zu einem gleichberechtigten Partner machen können.

Könnt ihr diese Entwicklung als Stiftung beeinflussen?

Eine Möglichkeit ist unser „Business Hub“ – das ist ein neues Projekt von uns, quasi eine Niederlassung der Stiftung in Afrika. Vor Ort können wir die Projekte besser und langfristig betreuen. Das Hub wird mit lokalen Partnern gegründet, die es von Anfang an leiten. Im August wurde in Togo unser erstes Hub eröffnet. Geplant sind aber noch viele mehr, wir sind deshalb gerade im Gespräch mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Dieser Artikel wurde im Zuge des Seminars „Internationaler Journalismus“ im Masterstudiengang Journalistik (Universität Leipzig) erstellt.