04.06.2015
Übersetzt von Cathérine Bahr

Im letzten Jahrzehnt unter Präsident Robert Mugabe wurde Simbabwe durch wirtschaftliche und politische Konflikte geprägt. Das hat politische Proteste und künstlerische Darstellungsformen inspiriert. Während der Medienraum eingeschränkt wurde und der staatliche Rundfunk nicht bereit ist, regierungskritisches Material zu produzieren oder zu senden, bietet das Internet den unterschiedlichsten Stimmen die Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen.

Viele aufstrebende Künstler machen sich die globale technische Entwicklung zum Vorteil, um politisch brisante satirische Videos zu produzieren. Zu den Produzenten derartigen Inhalts gehört auch das Team der Zambezi News, einer Show des Magamba Network. Inzwischen wurde ihre Sendung bei den Comedy Awards der Unterhaltungswebseite ZimboJam zur zweitbeliebtesten Comedyshow des Jahres gekürt.

Zambezi News parodiert die propagandistische und dilettantische Berichterstattung der staatlich kontrollierten simbabwischen Rundfunkgesellschaft. Mittlerweile präsentierte die Gruppe ihr Programm bereits live auf Festivals in Schweden, Südafrika und Simbabwe.

Mit ihrem Fokus auf tagtägliche Probleme, fand die Show Anklang bei vielen Simbabwern im In- und Ausland. Die Sendung macht sich über die Regierung lustig und richtet ihr Augenmerk vor allem auf die Unterdrückung durch den Staat.

Die Show wird von drei Komikern in den Rollen der Nachrichtensprecher Mandape Mandape, Jerome Weathers und Kudzaishe Mushayahembe moderiert. Sie präsentieren Nachrichten im Studio und unterbrechen diese immer wieder für Eilmeldungen, Musikvideos und spitze Werbespots.

Doch die Sendung ist nicht nur in Simbabwe beliebt, wie die Ausstrahlung von Staffel 1 und 2 in anderen südafrikanischen Ländern gezeigt hat. Dort stieß sie auf hohe Resonanz – vor allem bei einem Publikum, das bereits intensiv soziale Medien nutzt.

Zambezi News ging 2011 an den Start und ist das geistiges Kind von Samm Farari Monro (alias Comrade Fatso) und Leslie Tongai Makawa (alias Outspoken). Die beiden besetzen die Hauptrollen der Figuren Mandape Mandape und Jerome Weathers.

Samm Monro ist gleichzeitig der Produktionsleiter der Zambezi News. Wie er berichtet, wurde das Team 2011 für eine Vorführung beim Zimbabwe Film Festival angefragt. Seitdem ging es nur noch aufwärts. Die erste Folge der Satiresendung wurde 10.000 Mal auf DVD verkauft.

“Die Simbabwer stehen vor wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen und die Zambezi News sprechen diese Themen an,” sagt Monro. Genau aus diesem Grund sei die Show bei Simbabwern aus allen gesellschaftlichen Schichten beliebt.

Der Internet-Boom im Land hatte weitreichende Folgen für die Zambezi News. Die Macher verbreiten ihre Show mittlerweile auf Simbabwes größten sozialen Netzwerken WhatsApp und Facebook. Monro fügt hinzu: “Unsere Videos erhalten innerhalb einer Woche mitunter 10.000 Klicks. Das beweist, dass unsere Reichweite wächst. In Simbabwe sind WhatsApp und Facebook beliebter als YouTube. Deshalb übersteigt unsere Zuschauerzahl auf Facebook die auf YouTube um das Sechsfache.”

Die Medien in Simbabwe werden stark kontrolliert. Die Regierungspartei nutzt sie, um Propaganda zu verbreiten und ihre politische Hegemonie zu verankern. Was den Interessen der Regierung schaden könnte, wird zensiert und aus dem öffentlichen Raum entfernt. Das Internet allerdings hat diese offensichtliche Zensur unterminiert. Simbabwer können nun Inhalte selbst produzieren und im Netz verbreiten, ohne zensiert zu werden. Vor allem junge Menschen nutzen diese Möglichkeiten, um über ihre Probleme und Sorgen zu sprechen.

Das Internet beflügelt die freie Meinungsäußerung

Zweifelsohne fördert das Internet die Öffnung und Demokratisierung der Simbabwischen Medienlandschaft. Es verleiht Menschen zahlreiche Möglichkeiten, sich zu äußern und das Recht der freien Meinungsäußerung voranzutreiben.

Nach Meinung von Monro geht es zukünftig weiter bergauf: “Die Zambezi News stehen erst in den Startlöchern und werden immer weiter wachsen. Experten sagen immer, die Digitalisierung würde es in Zukunft ermöglichen, neue zu Inhalte zu produzieren; aber das Internet und die sozialen Medien haben uns dies schon längst ermöglicht,” sagt er.

Die simbabwische Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation POTRAZ schätzt die Internetverbreitung im Land auf 50 Prozent. Davon entfallen mehr als 90 Prozent für die mobile Breitbandnutzung.

Das Internet wird zu einem Bollwerk für alternative Stimmen - ein Raum, der nicht mehr so einfach von der simbabwischen Regierung zensiert werden kann. Während der Staat kontrollieren konnte, welche Programme sich fügten und auf dem nationalen Rundfunksender ausgestrahlt werden durften, bietet das Internet eine alternative Plattform für Simbabwer mit unterschiedlichen politischen Ansichten.

Viele Künstler, die sich mit wirtschaftlichen Herausforderungen und der Verweigerung grundlegender Bürgerrechte konfrontiert sahen, versuchten, sich über diverse Wege Ausdruck zu verleihen – allerdings vergeblich: Viele wurden verhaftet und von staatlichen Sicherheitskräften festgesetzt. Auch Samm Farai Monro vom Magamba Network war zuerst für seine Protestpoesie bekannt geworden, die den Status quo in Frage stellte.

Trotz seiner Erfolge mit Poesie gab es kein Medium, über das er seine Werke einem größeren Publikum hätte zugänglich machen können. Der verbesserte Zugang zu schnellem Internet in Simbabwe hat Monros zweitem Projekt, den Zambezi News, weit mehr Zugkraft verliehen.